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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 1)

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sowie die „Wohltätigkeitsküche" von Eva M. Woolf und Jol Jefferson, ein 
vortreffliches Bild von Marion Swinton erwähnt. Hierzu kommt selbstver- 
ständlich noch eine Anzahl von Porträt- und Blumenmalerinnen. Unbedeutend 
war kaum eines der 65 ausgestellten Bilder. Die Seebilder von Doighterly 
mit ihrer blendenden Wiedergabe atmosphärischer Lichteffekte stehen heute 
an der Spitze amerikanischer Marinemalerei. Über ihre packende Kraft und 
ihren Farbenreiz ist kein Wort zu verlieren. 
In die Zeitfolge zwischen beiden Akademieausstellungen fiel die der 
„Architectural Leage", die jedoch, den hier wie überall auf diesem Kunst- 
gebiet lastenden ungünstigen Verhältnissen zufolge, wenig Originelles brachte. 
Am meisten Eigenart zeigen noch freihstehende Wohnhäuser und Klub- 
gebäude, bei welchen der Kolonialstil sehr beliebt ist, und die sogenannten 
Wolkenkratzer, die in ihren schlank zulaufenden Formen turmartigen Cha- 
rakter anstreben. 
Ein für Newyork sehr bedeutsames Kunstereignis wird die Ausstellung 
deutscher Skulpturen und Gemälde sein, die zur Inauguration eines neuen 
Flügels unseres Metropolitan Museums eröffnet werden soll. 
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HABSBÜRGER ZIMELIEN. Das Jubeljahr des Kaisers bleibt allen Kunst- 
genießern Wiens denkwürdig. Mehrere große Spezialausstellungen voll persönlicher 
Bezüge auf den großen kaiserlichen Kunstförderer haben dem Publikum neue Blicke in 
dieses Gebiet unserer Geistesgeschichte eröifnet. Die jubelausstellung „Unser Kaiser" war 
eine ikonographische Biographie aus schwer zugänglichen, zum Teil ganz intimen Quellen. 
Die Medaillenausstellung faßte das Thema von einer wieder andern, noch spezielleren 
Seite. Und nun hat Hofrat von Karabacek, Direktor der k. k. Hofbibliothek, aus den 
unschätzbaren Beständen derselben eine ganz monumentale „Ausstellung von Habsburger 
Zimelien" zusammengestellt, die den ganzen Kuppelsaal Fischers von Erlach füllt. In der 
Anordnung ist der historische Zusammenhang gewahrt, indem links die Pracht der frühen 
und späten Renaissance, rechts die Phasen des XVIII. jahrhunderts sich entfalten. Die 
großen Mäzene aus dem Hause Habsburg ziehen vollzählig vorüber, in Meisterwerken der 
Künste wiedergespiegelt; die weltberühmten sind so selbstverständlich, daß man sie kaum 
zu nennen braucht; welche Bibliothek wäre reicher daran? Dürers „Ehrenpforte" Kaiser 
Maximilians etwa, dieser Holzschnitt aller Holzschnitte, der hier wie ein mächtiges Wand- 
fresko wirkt, oder Kaiser Maximilians „Triumphzugß dessen 22 farbige Blätter (von 57 vor- 
handenen) wie ein Fries den Saal entlang ziehen. Von allem Derartigen sind wenigstens 
Proben zu sehen, zum Beispiel einer der Holzstöcke zum „Freydal", Originalskizzen und 
Probedrucke zum „Weiskunig", mit mancherlei eigenhändigen Vermerken des Kaisers. 
Überhaupt geht aus all diesem kostbaren Material vor allem der Geist hervor, in dem es 
gesammelt wurde; und der war in diesem Falle wirklich, aber im besten Sinne, „der 
Herren eigner Geist". Die Bibliothek selbst war ihren Schöpfern recht eine Herzenssache. 
Der Sammelband mit 80 eigenhändigen Briefen Leopolds I. an den Bibliothekar Lambeck, 
dann Lambecks Audienzbuch, in dem stets die Bibliothek die Hauptrolle spielt, sind 
sprechende Beweise. Und dann wieder, so früh schon, die Sorge, diesen Bücherschatz
	        

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