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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 1)

Und zur erlesenen Gesellschaft hat sie zwei Damen von anmutiger Verwandtschaft: 
Mill Graham-Gainsborough und Mill Grammond Smith-Romney. _ 
Die Inszenierung und Ausstattung dieser Puppen ist von sehr geschmackvollen 
Frauen gemachtworden, sie sind Etüden modernerMenschen über das ThemaEcho dutemps 
passe. Aber auch echte alte Kuriositäten finden sich in diesem Bereich. Und ihr Haupt- 
stück ist die hundertjährige Puppe Frieda, eine Weimaranerin, die sich rühmen kann, in 
Goethes Arm gelegen zu haben. 
Aus altweimarischem Farnilienbesitz, aus einem Haus am Frauenplatz stammt sie, 
und sie ist noch heute das Eigentum einer Nachkommin dieser Familie, der Frau von 
Ohlschläger. Sie trägt noch heute die Kleider mit dem koketten Marie-Antoinetten-Fichu 
die man ihr vor x20 Jahren n'a'hte und in denen sie von den Kindern im Park vergessen 
und hier im Morgentau vom Geheimbderat Goethe auf dem Frühspaziergang gefunden 
wurde. Sie war auch kein gewöhnliches Kinderspielzeug, sie hatte auch einen Beruf und 
durch ihn stand sie Goethe, dem Intendanten des Hoftheaters, nahe. Sie war in dem En- 
semble eine der Kleinen von den Seinen und markierte die Steckkissen-Babys, und an der 
Brust mancher großen Schauspielerin hat Frieda so gelegen. Sehr charakteristisch für ihre 
Zeit, die klassizistische Periode, ist es, daB der Kopf dieser Puppe ganz von fern an die 
Juno Ludovisi erinnert. 
Theaterpuppen figurieren auch sonst in bunter Auswahl. Von den altitalienischen 
Marionettentypen an bis auf die neueste Zeit. 
Die geistvollsten und charakteristischsten sah ich aber im Münchner Puppenspielhaus 
von Paul Brann: die Figurinen Wackerles zu Schnitzlers „Tapfern Cassian". Die Puppe im 
Dienst der Kirche erscheint auch, und zwar in Gestalt naiv legendarischer Krippenfiguren. 
Kurz ein kleines Welttheater mit großem Umkreis. 
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Im Ministerium des Innern fand unter dem Protektorat der Frau von Moltke eine 
anregende Ausstellung litauischer Altertümer und der nach ihrem Vorbild neu belebten 
Hausindustrie statt. 
Ähnlich wie in den skandinavischen Ländern die Handfertigkeiten und Künste der 
einzelnen Landschaften in ihren echten alten Dokumenten sorgsam bewahrt und diese 
Muster zu fruchtbarer Tätigkeit umgewertet werden - die Ausstellungen der schwedischen 
und norwegischen „Haustleißvereinigungen" zeigen das -, so ist ähnliches auch hier für 
litauische Art und Kunst geschehen. 
Sie ist charakteristisch vor allem in den Geweben und Stickereien. Die Tracht zeigt 
reichen Dekor, besonders in den leinenen Schultertüchern der Mädchen, die ähnlich wie 
die dreieckig gelegten indischen Schals der vierziger Jahre getragen wurden. Ihre Be- 
wegungslinien werden durch Stickerei- und Auszugsbahnen bestimmt, die in ihrer 
energisch reliefkräftigen Wirkung sehr ausdrucksvoll sind. Zu den Tüchern gehören 
Spangen, Fibeln und Halteringe von einer einfachen und rein aus der Technik gewonnenen 
Schönheit. So sieht man einen Flachring, dessen Rand mit Hammerschlag gebuckelt ist und 
jeder dieser Buckeln ist noch zierlich mit dem Stichel punktiert und geperlt. Oder die Ringe 
laufen nicht zusammen, sondern bleiben biegsam offen, dann gehen in lebendig-schwellender 
Entwicklung die Enden weitrundig in knaufige Knöpfchen aus. 
Eine originelle und vielseitige Behandlung findet ein wichtiges Requisit der Tracht, 
die gestrickten wollenen Handschuhe. Phantasievoll ist die Musterung, gewürfelt, kreuz- 
zackig, fischgrätig gegittert, längs- und quersprossig. Als Ornament kommt, wie es auch beim 
bäuerlichen Gerät und in der Architektur typisch ist, das dekorativ einkomponierte Initial 
mit der Jahreszahl und einer Widmungsdevise hinzu, die gewöhnlich auf dem Rand ein- 
gewirkt wird. Die Handschuhe haben nicht nur Gebrauchsbedeutung, sie haben auch einen 
besonderen Sinn. Liebespfänder der Mägde an ihre Burschen sind es und Verehrungs- 
gaben, die von den Gemeinden ihren Vorständen und Vertretern verliehen werden. Und 
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