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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 3)

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reticellaartigen und anderen Durchbrüchen und Spitzen. Die geometrischen 
Gestaltungen der Reticella, für den Durchbruch gewissermaßen die klassi- 
schen Formen, haben hier wie überall in der Volkskunst besonders tief 
Wurzel gefaßt. Es ist dabei merkwürdig zu sehen, wie sie sich zugleich den 
wechselnden Verwendungen gegenüber zu erhalten wissen; denn in den 
Trachten spiegeln sich doch auch in Schweden die großen festländischen 
Wandlungen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die höheren Schichten die 
Moden des Festlandes bewußt mitmachten und die unteren Schichten den 
oberen immer nachstrebten. So haben sie ihnen auch die riesig hohen Steh- 
kragen, die um 1800 üblich waren, abgeguckt, sie aber mit ihren gewohnten 
alten Reticellamustern geschmückt. 
Heute scheint die Nationaltracht im Süden Schwedens ja nicht eigentlich 
mehr lebendig zu sein; sie wird wohl nur mehr bei festlicher Gelegenheit 
getragen. Anders in Mittel- und Nordschweden, besonders in Dalekarlien, 
woher in die Ausstellung eine Fülle farbenprächtiger Stücke gelangt war. 
Die mehr nördlichen Gegenden zeigen auffällig ernste Farben. 
Volkstümlich gearbeitete Wandbehänge, Schlitten- und Wagendecken 
oder die meist auf Leinwand gestickten Deckenfriese und Deckenunterzüge 
sind aber wohl noch weithin üblich, was wohl auch mit der klimatisch 
begründeten Vorliebe für Holzhäuser zusammenhängt. Diese fortdauernde 
Verwendung herkömmlicher Erzeugnisse, besonders der Textilkunst, ist 
Ausstellung schwedischer Volkskuns! im Österreichischen Museum. Teil eines Anxependiums, gestickt auf grüner 
Seide, Verein „LiciuuW, Stockholm 

	        

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