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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 3)

Nichts Menschliches blieb ihm fremd. Er war ein Idealist und ein Enthusiast, 
ein Kosmopolit und doch ein eingefleischter Österreicher. Dem Vaterlande einen 
Platz an der Sonne mitzuerkämpfen, dem österreichischen Wesen, das so viele 
für die Kunst wertvolle Elemente hat und immer gehabt hat, gerecht zu werden 
und seine Eigenart zur Geltung zu bringen in Geschichte und Gegenwart, das lag 
ihm sehr am Herzen. So erhoben sich alle seine Essays weit über das Niveau 
der Tagesschriftstellerei und behalten bleibenden Wert auch dort, wo sein Urteil 
revisionsbedürftig ist. Die Sammlung seiner Aufsätze in den Büchern „Acht 
Jahre Sezession" und „Altkunst 7 Neukunst" wird auch den kommenden 
Forschern reiche Anregung bieten, sie sind Dokumente der Zeit, Zeugnisse eines 
reichen, tiefen Geistes, der uns überall fehlen wird und dessen jähes Verlöschen 
Vielen wahren Schmerz bereitet hat. 
 
KLEINE NACHRICHTEN 51b 
ERLINER CHRONIK. Ein interessantes Kapitel Heimatskunst lernt man in der 
Ausstellung ungarischer Malerei kennen, die im Sezessionshaus ihr Gastspiel gibt. 
Eine reizvolle Ergänzung gibt diese Revue zu der Darstellung ungarischer Hausindustrie 
und Kunstgewerbes, die das Hohenzollemhaus von Friedmann und Weber bietet. 
Hier sieht man farbenleuchtende Stickereien auf Leinen, Seide, vor allem auch auf 
Schafleder. Das Fell bleibt dabei erhalten, bildet die Innenseite und damit das natürliche 
Futter für Bolerojäckchen und weite Mäntel. Die Stickerei ist großblumig, üppig quellend, 
pausbackig und strotzend von Koloristik des Rot, Blau, Grün mit Gold verbunden. Immer 
aber wirkt die Fülle harmonisch und verschmolzen. 
Die wollenen Teppiche, auf horizontalem Webstuhl gearbeitet, zeigen geometrische 
Muster, orientalischen Kilims und skandinavischen Wirkereien verwandt. Spitzen werden 
neuerdings auch, angeregt durch die große Wiederbelebungs-Bewegung, verfertigt, gleich- 
falls auf almationaler Grundlage. Und lebensfrisch sind die derben, bunten Bauern- 
töpfereien. 
Wenn man von hier zu den Bildern geht, so merkt man dieselbe leuchtende, brennende 
Glut der Farbe, das Sonnenverbrannte, Glutende der Töne. Die Landschaften von Fenyes, 
ungarische Dorfstraßen mit Kirchen eratrnen voll heißer Sommerluft, es dampft von ihnen 
Sommerhitze, brütende Mittagsschwüle, sengende Stille. Sie sprechen die rassig land- 
schaftliche Note am markantesten aus. 
Sonst denkt man häufig an eine Ausstellung junger russischer Kunst zurück, die wir 
vor einigen Jahren hier in Berlin hatten. Wie es diese Russen waren, so sind auch die 
Ungarn Kosmopoliten in der Kunst, sie stehen in engem Zusammenhang mit allen Regungen 
der modernen künstlerischen Seele und der Einschlag Beardsleys fehlt dabei so wenig, wie 
der van Goghs und des jüngeren Paris. Aber alle diese Anregungen werden gesehen durch 
ein leidenschaftliches und starkes Rasse-Temperament. 
Die Bekanntschaft eines Künstlers von besonderen Qualitäten vermittelte der Salon 
Keller und Reiner. Es ist der Wiener Ludwig Ferdinand Graf. Farbenmagien, die Phantasie 
der Fontaine lumineuse sind sein Geschmack. Lichtergarben und eine „Art du feu" ver- 
schießt seine Palette. Die reifen Stunden, da die Welt in Sonne gebadet ist, liebt er und 
er malt eine Schwimmschule, wo die leichten Pfahlbauten, die nackten, lebhaft bewegten 
Leiber, das durch Sprung und Menschengewimmel zerrissene Wasser auf diese natürliche
	        

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