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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 5)

 
Abb. zr. Garden Suburb Hampstead. Innenraum (Halle und Speisezimmer) in einem der Häuser am 
Meadway (hierzu Abb. zo und 2x) 
allmählich gewachsenen, durch die Bauweise des einzelnen Bauobjekts be- 
dingten Straßenführung kann unsere Zeit nicht mehr rechnen. Eröffnung von 
Verkehrswegen, die dem modernen Handel und Wandel entsprechend ge- 
führt sind, damit im Zusammenhang die Berücksichtigung wichtiger hygie- 
nischer Maßnahmenl" (Wasserversorgung, Kanalisation und so weiter), 
dem entsprechende, nicht aus alten Motiven herübergenommene, sondern 
dem Wesen der Sache entsprechende Behandlung der Aufgabe, so lautet 
die Forderung von heute. Abgesehen von einer ganzen Reihe andrer 
Faktoren sind es vor allem die wirtschaftlichen Grundlagen der gesamten 
Verkehrsentwicklung, die sich vergangenen Zeiten gegenüber fundamental 
geändert haben. Von ihrer Durchbildung hängt die Physiognomie großer Ge- 
meinwesen großenteils ab. Es mag paradox klingen, wenn die für unser 
modernes Empfinden malerische Unregelmäßigkeit mittelalterlich städtischer 
Bauweise, die nota bene keineswegs malerischen Absichten entsprang, 
4' Dahin gehört weiter vor allem die in den meisten rasch zu Großstädten gewordenen Gemeinwesen 
ziemlich nebensächlich behandelte, künstlerisch wie hygienisch gleich wichtige Frage des richtigen Verhält- 
nisses zwischen bebauter und freibleibender Bodenliäche. Überall, wo Gesundheitspolizei geübt wird, ist 
ein im richtigen Verhältnis zum Wohnungsbelag stehender Luftkubus der Wohnräume selbstverständ- 
liche Forderung beim Wobnhausbau. Ebenso ist der Abstand von Rückgebiiuden, Mindestausmaß von 
Hoffiäcben und so weiter fast überall gesetzlich geregelt, indes findet die vertikal eng gedrängt: Wohnweise 
vieler Tausender von Menschen in bezug auf die Forderung der Möglichkeit gründlicher Lufterneuerung vielfach 
noch viel zu wenig Berücksichtigung. Was man Tuberkulosebehafteten in den Sanatorien in erster Linie bietet: 
möglichst viel frische Luft, das müßte prophylaktisch vor allem den Gesunden geboten sein, denn Wohn- 
dichrigkeit und Erkrankung der Atmungsorgane stehen in engem Wechselverhältnis. Horsefall stellt die Tat- 
sache fest, daß in den großen, stark bevölkerten Distrikten von Manchester, London, Birmingham, Liverpool und den 
übrigen Industriezentren Englands die Instandhaltung der Wohnungen, selbst bei geschlossenen Fenstern nicht 
möglich sei, ohne ein beständigesReinigen derselben, ja daß Tisch- und Leibwäsche in verschlossenen Behältern 
schmutzig wird durch den alle Ritze und Fugen durchdringenden feinen Kohlenstaub. Daher denn die Erschei- 
nung, daß die älteren, dicht bevölkerten Quartiere solcher Städte eine kaum glaubliche Vernachlässigung der 
Reinlichkeit als wesentlichstes Merkmal an sich tragen, und daß die Schulen solcher Viertel, in denen möglichst 
viel für praktische Gesundheitslehre getan werden müßte, nicht immer in einwandfreiem Zustand sind, auch 
schon weil die Kinder teilweise in einem Zustand von Unsauberkeit zum Unterricht kommen, den man ander- 
wärts, zum Beispiel in den rheinischen Fabrikstädten, nirgends findet. Die Volksgesundheits-Erhaltung kostet 
viel, sehr viel Geld, das ist nicht zu leugnen. Weit mehr aber kostet das Ausmerzen der Folgen tiefeingreilender 
Unterlassungssiinden.
	        

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