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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 11)

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Korallen. Gut gelang auch die schrnuckhaft konstruktive Ausbildung der Gürtelschließen. 
Kräftige Silberplatten geben die Grundfläche und mannigfache Nuancierung belebt sie. 
Sie wird erhaben punktiert und ein Karneol bildet den Mittelpunkt. Oder einem Karo 
werden parallelisierend konzentrische Karos eingeschrieben, durch die Technik der Draht- 
auflötung etwa; oder als Mittelstück wird eine schmale Ellipse, gefüllt mit Filigrangezweig, 
ausgesägt. Diese Beispiele illustrieren eigentlich am besten die Forderungen des Preisaus- 
schreibens. 
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Der Schaufenster-Wettbewerb, der im September in Berlin stattfand, war ein inter- 
essantes Stück l'art dans la rue. 
Eine Geschmacksteigerung ließ sich beobachten und eine Zunahme an Erkenntnis 
der Mittel, eine Auslage sachlich mit dem Warenbestand ohne putzsüchtige Anleihen zu 
dekorieren und dabei in der Auslese, in der Farbenkomposition ein artistisches Stilleben zu 
schalTen. Ganz grobe Gegenbeispiele waren selten. Den schwarzen Vogel dabei schoß ein 
Blumenmagazin ab, das wie in den schlimmsten Zeiten sein freies Material zu Maskeraden- 
künstlichkeit vergewaltigte und Blumen auf das Gerüst des Drahtes spannte, daß sie Schirm, 
Boa und Hut vorstellten. 
Sonst gab es viel Gutes. Eine der reifsten Leistungen schien das Fenster des 
Brühlschen Handarbeitsgeschäftes, das Else Oppler arrangierte, eine koloristische Sinfonie 
aus Strähnen bunter Wolle, die vieltonig aus einem großen bronzedunklen japanischen 
Strohkorb quellen im Rahmen eines strenggeschlossenen Halbrunds. 
Nicht nur schön, sondern geschmackerziehlich und anregend Fir den Farbensinn der 
Klientel eines solchen Geschäftes war das und somit im höchsten Maße zweckästhetisch. 
Grünfelds Leinenhaus entwickelte seine Inszenierung ganz aus dem Wesen seines 
Betriebes und eine Interieurstimmung faßte die verschiedenen Bilder zusammen: einmal 
eine Szene vom Webstuhl, dann ein altdeutscher Raum mit Eichenschrank, in dem das 
köstliche Linnen aufgeschichtet ruht. 
Das ist trotz des Kostüms kein äußerlicher Mummenschanz, sondern wirkt bedeutungs- 
voll als ein Traditionszeichen und weckt die Lust, gleich den Altvorderen edlen Besitz zu 
wahren und zu hüten. Hier merkt man das fruchtbare Prinzip, die Dinge ihrer Bestimmung 
gemäß im Lebenszusammenhang darzustellen. 
Vollkommen leicht und mit impressionistischer Grazie gelang das dem Herrenmode- 
haus von I-Ierrmann Hoffmann. 
Vor allem in den Sportfenstern, in denen das Lichte der Korbmöbel vor einer grünen 
Hecke mit dem Rot der Huntingröcke und dem Fanfarensilberglanz des großen Piqueur- 
horns die echte Freiluftstimmung derl-Ialalijagd hinter den Hundenweckte. Ein anderes hatte 
Homespun-Klima: vor graugelben Wänden ein braunnarbiger Klubsessel, darauf lässig ein 
grüner Jagdmantel, dazu Kostüme in den herbstlichen Waldfarben. Und im Evening- 
fenster, das den Grundton des korrekten Black and White anschlug 4 Dominante war 
der seidige Fond eines auf einen Fauteuil abgeworfenen Sealpelzes - sah man die 
neue Frackweste dix-huitieme siecle mit eingesetztem Taillenschoß und breitklappigen 
Taschen. Heute ist sie noch aus Pique, ihre Zukunü aber liegt auf den Wassern des Brokat. 
Die Zuhilfenahme der Xnterieurrequisiten ist hier durchaus nicht etwa Zwangsanleihe, 
sie ergibt sich logisch-organisch; die Dinge erscheinen in ihrem Milieu. Die Begleitvor- 
stellungen, die sie erwecken, werden sinnfällig verkörpert. 
Eine suggestive Palette bot eine Kravattenauslage, Club Royal unter den Linden. 
Changierende, irisierende Stoffe nuancierten sich vom Nilgrün zum Lachsrosa in weichen 
Serpentinharmonien. 
Sehr klug hatte das Hohenzollem-Kunstgewerbehaus Friedmann 8: Weber in seinem 
kleinen Fenster auf Fülle verzichtet und gleichsam nur eine Vignette hineingezeichnet, ein 
plastisches Exlibris: die Vitrine eines Sammlers in perlgrauer Nische, eine milchige Vase
	        

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