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Wie bedeutend diese Ziier ist, wie sehr sie als ein beredtes Zeichen für die leb- 
hafte Theilnabme des gebildeten Publicums im Allgemeinen, und namentlich der industriellen 
Bevölkerung betrachtet werden darf, geht noch deutlicher hervor, wenn man bedenkt, dass 
die Sammlungen des South-Kensington-Museums inLuudon - für dessen Besuch doch die 
viermal stärkere Bevölkerung der englischen Metropole und die relativ immer noch giin- 
stigeren Localitüten des Marlborough-Hauses, wo diese Sammlungen zuerst untergebracht 
waren, sowie der Umfang dieser Sammlungen selbst Momente von entscheidender Beden- 
tung sind, - in den ersten drei Jahren seines Bestandes (1854: 104.823, 1855: 78.427 
und 1856: 111.768), zusammen: 295.018 Personen betragen hat. 
Von der Besucherzahl des Museums im Jahre 1866 per 101.733 haben 2.184 ein 
Eintrittsgeld von 30 kr. 5st W. entrichtet; 99.549 Personen haben das österr. Museum 
unentgeltlich besicbtiget. Von der von-erwähnten Gesammtzahl der Besucher des 
Museums seit dem Eröffnnngstage haben zusammengenommen 10.058, d. i. 
3']; Percent fiir den Besuch gezahlt; 267.004, d. i. 96'], Percent die freien Tage iiir ihren 
Besuch gewählt. 
Die eigentliche Beniitznng des Museums - im Gegensatze der nur alhnälig 
(durch Bildung der Anschauung) auf die Veredlung des Geschmackes Einfluss nehmenden 
Besichtigung. - das Studium der Bibliothek und Ornamentstichsamm- 
lung des Museums hat sich in ganz auffälliger Weise vermehrt. Abgesehen von den 
Tagesstunden von 9-4 Uhr, sind der Zeiehen- und Vorlesesaal des Museums seit Octo- 
ber 1866 (vorläufig zweimal die Woche) an jedem Dinstag und Mittwoch von 6- Y, 9 Uhr 
Abends für diejenigen geödnet, welche die Bibliothek und Knpferstichsammlnng des 
Museums benützen wollen, und es sind zu all' diesen Stunden, namentlich aber Abends. 
fast stets alle Plätze besetzt, und es herrscht eine solche Stille in den hetreifenden Arbeits- 
räumen, dass sich Jedem die Ueberzengung aufdrängt, es sei den Anwesenden voller 
Ernst mit ihren Studien. 
Unter den Gewerben, denen eine besonders grosse Zahl der Besucher des Museums 
angehört, stehen Tischler, Seidenarbeiter, Drechsler, Steinmetze, Metallarbeiter in erster 
Reihe. Als Industriezweige, Rir deren Zwecke in der Bibliothek und Kupferstichsammlung 
des Museums gearbeitet wird, sind in letzter Zeit vorzugsweise zu nennen: die Mode- 
waaren- und Manufactnrwaaren-lndustz-ie, die Tapeten-Fahricaüon, Tapezirer-Branche, 
Siegelstecherei und Graveurlrnnst. 
Die durchschnittliche Zahl derjenigen, welche die Bibliothek und Ornamentstich- 
sammlung in Anspruch nehmen, kann ohneweiters per Tag auf 30 Personen angegeben 
werden; eine sehr erfreuliche Erscheinung, wenn man erwägt, dass die Durchschnitts- 
zahl für die Benutzung der Bibliothek des Kensingtun-Museums nach den in Nr. 14 der 
"Mittheilungen" veröffentlichten Emtlichen Daten sich ebenfalls nicht höher stellt, und die 
„Union-Centrale des Beaux-Arts appliqnes h l'industrie" in Paris, wie die französischen 
Kunstblbltter mit Befremdung melden, über eine Dnrchschnittszider von 15 Personen per 
Tag in BetreE der Beniitznng ihrer Sammlungen nicht hinanskiimmt. 
Wenn sich in dieser Weise die Benütznng der Sammlungen des Museums durch die 
arbeitenden Claesen, dem Hanptzwecke der Anstalt gemäss. im Jahre 1866 gehoben hat, 
so hat anderseits auch das Interesse der höheren Gesellschaßselassen Hi: das Museum, der 
zahlreichen Kunstfrennde und Sammler, des Adels, der Klöster und Privaten sich gewiss 
nicht vermindert, wie die steigende Zahl der Privateigenthiimer zeigt, welche ihren Kunst- 
besitn dem Museum zur leihweisen Ausstellung zur Verüigung stellen. 
Die Ehre des a. h. Basisches von Seite St. Majestlit des Kaisers und anderer Mit- 
glieder des a. h. Hofes ist dem Museum im Jahre 1886 wiederholt zu. Theil geworden. 
ll. 
Verhültuiss des Museums zu den Kronländorn. 
Die Direction lutte ihre Einleitungen danach geholfen, um auch im lnufandgu Jahre 
ihrer lhtutuisch mgewieeenen Piiieht gemäße durch Abhaltung von größeren Filial- 
aueutellungen in den Kronliindern Gir die Hebung der kunstgewerblichen Thiügkeiz 
in allen Theilen des Reiches oder doch in den wichtigeren Industriebezirken zu wirken. 
Die hervortretende Wichtigkeit der nördlichen Beichetheile in volkswirtllscbahlichar 
Beziehung und der entschieden günstige Erfolg der im Herbsbe 1865 in Leitmeritz abge- 
lmlbeneu ernten größeren Filinlmssfollung leihen insbesondere den Gedanken wachgemfen, 
im Jahre 1836 abermals eine solche größere Ausstellung von Oziginalkunstwerhn. Repro- 
ductioneu, Zeicheuvorlagewerken und Unterrichkbehelfen in Böhmen Abarbeiten, und es vnr
	        

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