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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 12)

italienischen Kissenbezüge, die spätestens zu 
Anfang des XVII.]ahrhunderts entstanden sind. 
Das auf Seite 620 abgebildete Stück ist beider- 
seits mit dem gleichen Muster in grüner Seide 
auf Leinwand verziert und zeigt, wie an den 
Rändern deutlich zu erkennen ist, noch die 
ursprüngliche Zusammensetzung der Teile. 
Noch hervorragender ist das auf Seite 621 
abgebildete Kissen, das mit roter Seide auf 
Leinen, und zwar auf beiden Seiten verschieden, 
gearbeitet ist; die Vorderseite ist ganz mit 
Stickerei bedeckt, die Rückseite weist nur 
eine Randstickerei auf. Das Muster kann wohl 
als eine der reinsten Verkörperungen renais- 
sancemäßigen Omamentierungsgeistes aufge- 
faßt werden; es ist reizend, wie sich die S-förmi- 
gen Linien der Fische zu einem Streumotive 
vereinen. Was dieses Stück aber noch besonders 
selten, vielleicht einzig in seiner Art, macht, 
ist die vollständig erhaltene kunstvolle Ver- 
knüpfung der Ränder, die in roter Seide aus- 
geführt ist. Auch das ist echt renaissance- 
mäßig, daß diese Verknüpfung nicht fortlaufend, 
sondern in kleinen Gruppen, ausgeführt ist. 
Von Stickereien der Renaissance wären 
noch ein großes Handtuch, das an beiden Enden 
mit reichen Streifen und eigentümlichen Säulen- 
formen darinnen geziert ist, sowie eine große 
Leinendecke mit schrägen roten Zweigen rings 
am Rande hervorzuheben, weiters eine Altar- 
decke mit verstreuten cherubartigen Engeln (in 
lila Seide ausgeführt). Die erwähnte Leinen- 
decke ist übrigens noch dadurch bemerkens- 
wert, daß sie im Grundstoffe eine ungewöhnlich 
reiche geometrische Damastmusterung zeigt. 
Das Ungewohnte mag zum Teile auch darin 
beruhen, daß eben sehr wenige alte Leinen- 
stücke erhalten sind, sie wären denn bestickt. 
Und zum Besticken verwendete man begreif- 
licherweise gewöhnlich ungemusterte oder 
wenig gemusterte Leinwand. Hier ist aber nur 
ein verhältnismäßig schmaler Rand gestickt, so 
daß die Leinwand selbst von vornherein mehr 
hervortreten sollte. Wir erhalten so eine wich- 
Leinenstreifen mit roter Seidenstiekcrei 
(durchbruchartig zusammengezogener 
Grund), italienisch, XVI. bis XVII. jahr- 
hundert. Originalbreite 8 Zentimeter
	        

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