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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 12)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
überragt. Die Kachel ist 47 Zentimeter hoch, die 
in Anwendung gekommenen Farben sind Blau, 
Grün, Ockergelb und Manganbraun. Für die 
Datierung der Kachel ist das Kostüm der frei 
modellierten Figur von entscheidender Wichtig- 
keit. Es gehört unzweifelhaft dem Anfange des 
XVI. Jahrhunderts an. Das Kleid ist 
vorne auf der Brust tief ausgeschnitten, 
die zweimal gepufften Ärmel sind ge- 
schlitzt, auch am Ellenbogen befindet 
sich ein Schlitz, durchweg charakteri- 
stische Kennzeichen der Tracht im XVI. 
Jahrhundert; während die turbanartige 
Kopfbedeckung und die Länge der 
Ärmel, die einen bis an die Finger 
reichenden Latzfortsatz haben, aus der 
vorangegangenen 
Periode herüber- 
genommen sind, 
wir also Über- 
gangsformen vor 
uns haben. Die 
Annahme, daß die 
Kachel aus den 
Hostienbüchse mit omamentiertem Lederbezug, italienisch. Anfang des ersten Dezennien 
XVX. Jahrhunderts des  Jahr- 
hunderts und nicht etwa aus noch späterer Zeit stammt, wird bestärkt durch die 
Tracht der Schildhalterin an der zweiten aus der Sammlung Lanna stammen- 
den, jetzt im Wiener Privatbesitz befindlichen Eckkachel, die der Tracht des 
XV. Jahrhunderts noch sehr nahe steht. Im Widerspruch zu dieser Datierung 
stehen die Kacheln selbst, deren figuraler Schmuck und deren gotische 
Details nach stilistischen Kriterien eher dem Anfang als dem Ende des 
XV. Jahrhunderts angehören. Demzufolge liegt die Vermutung nahe, daß 
wir spätere Ausformungen älterer Modelle vor uns haben, zu denen die 
speziellen Zutaten der Eckkacheln, die Wappen mit ihrem figürlichen Schmuck 
hinzugekommen sind. In der Annahme, daß wir an den meisten noch erhaltenen 
Kacheln dieses Ofens späte Ausformungen vor uns haben, werden wir noch 
durch den Umstand bestärkt, daß eine von den vier sogenannten Kacheln 
von SanktStephan, die bereits seit längerer Zeit im Besitze des Österreichischen 
Museums sind, allem Anscheine nach eine der älteren Ausformungen 
repräsentiert. Es ist die bei Walcher auf Tafel II rechts unten abgebildete 
Kachel mit der Vertreibung aus dem Paradiesef" Dieses Stück zeigt, während 
"' Beiträge zur älteren Geschichte des Hafnergewerbes in Wien und Niederösterreich (Kunst und Kunst- 
handwerk, VIII. Jahrgang, Seite 553).
	        

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