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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 10)

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der Angelegenheit gemacht wurden, nicht die Rede. Nicht absolut zwingende 
Notwendigkeiten gaben die Veranlassung zu einer Wohnungsreform, nicht 
der fühlbare Mangel an Wohnungen gegenüber dem steigenden Mehrbedarf. 
Die wie überall sonst eingetretenen Zustände: übermäßige Preise und gering- 
wertige Beschaffenheit der der arbeitenden Bevölkerung zur Verfügung stehen- 
denWohnungen gaben den Anstoß. Nicht bloß die Vermehrung der disponiblen 
Unterkunftsmöglichkeiten wurde angestrebt, sondern vor allem Verbesserung 
des Wohnwesens der in Frage kommenden Einwohnerkategorie bezweckt. 
In den noch heute vielfach bestehenden, längs der mittelalterlichen Umwal- 
lung sich hinziehenden „Soldatenhäuschen", wo zu frei-reichsstädtischer Zeit 
Ulms Krieger hausten (Abb. 3 und 4), waren schon aus weit zurück- 
liegender Zeit Beispiele vom Kleinwohnhausbau gegeben. Eine sehr schmale 
 
Abb. m. Gemeinnützige Bauuntemehmung der Stadt Ulm. Einfamilien-Dappelhäuser, Römerstraßen-Quartier. 
Architekt: Reg-Baumeister Holch. Preis pro Haus samt Garten 690a und 7000 Mark 
Küche, daran anstoßend ein größeres Zimmer und, auf halsbrecherischer 
Treppenleiter zugänglich, eine Dachkammer, das ist noch heute, was diese 
sehr kleinen I-Iäuser enthalten; mehrere zusammen besitzen einen nicht im 
Hause befindlichen Abort. Auf solch mäßiges Bauprogramm konnte man 
natürlich nicht zurückkommen. Ein bescheidener, im Jahre 1888 gemachter 
Anfang ließ zunächst ein größeres Gebäude mit drei Stockwerken, in denen 
21 Wohnungen zu drei und zwei Zimmern untergebracht sind, entstehen. 
Die niedrigste Preisgrenze pro Jahr betrug 190, die obere 230 Mark. Obschon 
die Wohnungen an sich, schon was ihre Dimensionen betrifft, weit besser 
waren, als was der Wohnungsmarkt in dieser Preislage gewöhnlich zu 
bieten vermag, stellte sich das Unterbringen so vieler Parteien unter einem 
Dache als etwas durchaus Ungünstiges heraus. Die holde Weiblichkeit über- 
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