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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 10)

orts nicht einmal in entsprechender Weise zu Gegenleistungen an den 
Staat, an die Gemeinde herangezogen, sondern möglichst geschont wird, 
sind neunzig Prozent der Großstadtbevölkerung auf Einnahmen von immer 
ziemlich niedrigem Umfang angewiesen. Steigen diese überhaupt, so ist 
dies keine Folge allgemein sich bessernder Verhältnisse, sondern unfrei- 
Abb. x. Ulm vor der Emwallung. Das zwischen der äußeren schrallierten 
Umgrenzungslinie und der Stadt belegene Terrain wurde durch die 
Festungswerke eingenommen und ist nach der Entwallung bebaubar 
geworden 
willig gemachte Kon- 
zession. Mit der fortge- 
setzten Steigerung der 
Preise für Unterkunfts- 
stätten selbst beschei- 
denster Art wird natür- 
lich auch die Kette der 
mit allen möglichenMit- 
teln betriebenen Ver- 
besserungsbestrebungen 
im Verdienst des wirt- 
schaftlich Schwachen 
eine konstante sein 
müssen. Obschon nun 
dieser Vorgang niemals 
aufgehört hat zu exi- 
stieren, seitdem der Be- 
griff Leistung und Ge- 
genleistung sich in ir- 
gendeiner Weise reali- 
siert, so ist er doch, seit- 
dem die Bodenspeku- 
lation der mächtigste 
Umsatzfaktor im Wirt- 
schaftsleben der Völker 
wurde, in einem früher 
nie dagewesenen Maße 
gewachsen. Wohnungs- 
elend hat es immer ge- 
geben, es ist aber nie- 
mals in gleichem Ver- 
hältnis die charakteristi- 
sche Erscheinung einer 
Kulturperiode gewesen 
wie heute.Alle charitativen Bestrebungen erweisen sich als völlig unzulänglich, 
ganz abgesehen davon, daß breite Massen der Arbeiter mit Recht die Zu- 
mutung des Almosenannehmens von sich weisen und daß andrerseits die 
Wohltätigkeit nur in den allerseltensten Fällen von jener Artung ist, bei der 
im Sinne des Evangeliums die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut.
	        

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