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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 10)

MITTEILUNGEN AUS DEM K. K. ÖSTER- 
REICHISCHEN MUSEUM 5t- 
ARTHUR VON SCALA "l 
Unmittelbar vor Schluß der Redaktion dieses Heftes von „Kunst und 
Kunsthandwerk" empfangen wir die Nachricht vom Tode Arthur von Scalas. 
Vor wenigen Wochen noch gab er Nachricht von sich und seinem Befinden 
aus Lana, wohin er sich nach seiner Pensionierung zurückgezogen hatte; über 
seinen Gesundheitszustand, der schon lange erschüttert war, klagte er ein- 
dringlich, aber er sprach doch zugleich den Gedanken aus, nach England 
reisen zu wollen, dessen Kultur, Leben und Anschauungen seit den Tagen 
seiner Jugend ganz von ihm Besitz ergriffen hatten. Englische Wohnungskunst 
mit ihrer Behaglichkeit, Solidität und Übereinstimmung mit Landessitte und 
bodenständiger Kraft und Gesinnung war ihm wohl vertraut und in ihrer 
Verpiianzung auf unseren Boden und in ihrer Nachahmung erblickte er die 
Rettung unseres Kunstgewerbes aus Schultradition und Rückständigkeit. Ohne 
Kampf und ohne I-Iinwegsetzung über die Anschauungen, welche durch lange 
Zeit bei den Versuchen zum Wiederaufbau des heimischen Kunstgewerbes 
herrschend waren, konnte es nicht abgehen, als Scala 1897 auf den Posten 
berufen wurde, den vor ihm Eitelberger, Falke und Bucher eingenommen 
hatten, welchen Laufberger, Teirich, Storck als einliußreiche künstlerische 
Mitarbeiter zur Seite gestanden waren. Er brachte viel Eigenartiges und 
Notwendiges mit, was ihn zu seiner Mission besonders befähigte: völlig 
verschiedene Geistesrichtung, ausgeprägten persönlichen Geschmack, starke 
Kampflust und Unberührtheit von Doktrinarismus jeder Art. Er war kein 
Kunstgelehrter und Schulüberlieferung hatte keine Gewalt über ihn, er fühlte 
sich nicht gebunden an die Studierstube, er war ein Weltkind und besaß 
den Mut, sich zuzutrauen, die Dinge von andrer Seite anzugreifen, als es 
bis dahin geschehen war. Seit langem ein kränkelnder Mann und nun ein 
stiller Mann, war er vor zwölfjahren, als Fünfziger, einer der jugendlichsten 
unter viel Jüngeren, voll überschäumendem Temperament und Tatenlust. 
So hat er, getragen von dem Wunsche Vieler nach neuen Wegen und Zielen, 
gestützt und gefördert von mächtigen Kunstfreunden, denen eine andere 
Ordnung der Dinge längst am Herzen lag, sich sofort, als er an die Spitze des 
Museums trat, eine führende Stelle erobert in der Kunstrevolution, die wir in 
Österreich zum Teil später, zum Teil radikaler als in andern Ländern seit dem 
Ausgang des verflossenen Jahrhunderts auf allen Gebieten des Schaffens 
durchgemacht haben. Die Eindämmung der entfachten Bewegung machte ihm 
freilich bald nicht weniger Sorge und Kummer als ihre ursprüngliche Betrei- 
bung; der konservative Fortschritt der englischen Kultur, der sich im steten 
Anschluß an das geschichtlich Gewordene, organisch Herausgebildete voll- 
zogen hat, trat ihm immer wieder als nachahmenswertes Beispiel vor die 
Seele. Und er mußte es sich gefallen lassen, als Rückschrittler bekämpft zu 
werden, als er schließlich wieder zu den historischen Grundsätzen jener
	        

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