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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 8 und 9)

 
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Charakter, erfüllen aber trotzdem ihre Aufgabe, 
weil bei ihnen, die doch meist jungen Datums 
sind, das historische Moment fast gar keine Rolle 
zu spielen hat. 
Ich halte eine derartige, markenähnliche 
Form eines Staatssymbols in Fällen, wo der 
Staat selbst eine Neuschöpfung ist, wie zum 
Beispiel die Staaten des Nordens und Südens 
von Amerika für passender, als wenn ein solcher 
Staat sich einen mittelalterlichen Schild und Helm 
i zulegen würde. 
Mm wwwpen von Bnsüim Eine ganz hübsche Komposition ist zum 
Beispiel das Wappen der Argentinischen Repu- 
blik: ovaler Schild von Blau über Silber quergeteilt, darinnen sogenannte 
„Treuhände" vor einer Freiheitspicke. Oben auf dem mit Lorbeerzweigen 
geschmückten Schilde erscheint eine strahlende Sonne, hinter dem Schilde 
beiderseits je drei Fahnenin den Farben des Landes: Blau-Weiß-Blau. 
Auch das neue Wappen von Brasilien (Estados Unidos do Brazil, 
Abb. 45) mit seinem fünfstrahligen Stern in den Landesfarben Grün und Gelb 
läßt sich ansehen, weniger gut ist aber dagegen das Emblem des brasi- 
lianischen Staates Parana (Abb. 46), eine ziemlich gedankenlose Kopie der 
Abbildung 45: derselbe Stern, hier in den Landesfarben von Parana, Grün 
und Weiß, tingiert, derselbe blaue Reif oder Bord mit 20 silbernen Sternen 
(die Anzahl der brasilianischen Staaten), der hier aber nicht das südliche 
Kreuz wie im Sterne von Brasilien, sondern die Landkarte von Parana um- 
schließt, welche durch die Betonung 
der Hauptstadt Curityba erst kenntlich 
gemacht werden muß. Während der 
Stern des Bundesstaates mit Kaffee- 
und T abakpfianzen geschmückt ist, 
erscheint bei Parana der dort heimi- 
sche Paraguay-Teestrauch und die 
brasilianische Pinie. 
Die nächste Abbildung 47 zeigt 
den gewöhnlichen Typus der zentral- 
undsüdamerikanischenStaatsembleme: 
ein Schild mit vielen Fahnen, Flinten, 
Säbeln, Lanzen und Kanonenrohren. 
Im vorliegenden Wappen des brasi- 
lianischen Staates Rio Grande do 
Sul ist sogar noch eine Trompete zu 
sehen. DieseVorliebe für kriegerischen 
Schmuck könnte vielleicht dadurch . _ 
erklärlich werden, daß man in den Abb. 4a. Wippen von Paranä 

	        

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