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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 8 und 9)

 
1".) 
DIE AUSSTELLUNG FÜR CHRISTLICHE 
KUNST IN DÜSSELDORF 51' VON MORIZ 
DREGER-WIEN Sh 
IE großartige Ausstellung für christliche Kunst, die in 
diesem Sommerhalbjahre unter dem Protektorate 
Seiner kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen des 
Deutschen Reiches und von Preußen und dem 
Ehrenvorsitze Seiner Eminenz des HermKardinals 
Dr. Fischer von Köln in Düsseldorf stattfindet, 
hat nach zwei Seiten hin auch für uns beson- 
dere Bedeutung. Was die neuen Werke betrifft, 
ist sie wohl die umfangreichste und vielseitigste 
Ausstellung, die in dieser Art bisher noch statt- 
gefunden hat; was die retrospektive Abteilung 
anbelangt, fällt sie durch Betonung der Barockkunst und der religiösen 
Romantik der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts auf. Und zwar sei gleich 
erwähnt, daß das Hervorheben dieser Zeiten schon im ursprünglichen 
Programme der rührigen Veranstalter, an deren Spitze Herr Professor 
Dr. Board, Graf Brühl und andere stehen, gelegen ist. Umfangreiche 
und kostbare Schaustellungen kirchlicher Kunstwerke aus dem Mittelalter 
und der Renaissance haben ja schon in früheren Jahren in Düsseldorf 
stattgefunden; doch hatte man hier, wie auch sonst fast überall, die Renais- 
sance schon als Schluß angesehen. Das Barock und die folgenden Stile 
galten ja, insbesondere auch vom kirchlichen Standpunkte aus, als Verfalls- 
kunst. Und die Kunst der religiösen Romantiker war künstlerisch überhaupt 
in Verruf getan. Sie galt als Kunst schwächlicher Epigonen. 
Es gibt heute wohl keine Periode, die mehr verkannt wird als die der 
Romantik; man verzeihe daher, wenn wir etwas länger bei ihr verweilen. 
Wahrlich, es ist nichts törichter, als die Kunst der Romantik, besonders 
auch der religiösen, als Epigonenkunst abzutun. Nein, sie war eine voll- 
ständige Erneuerung der Kunst, die auf dem Alten nicht mehr fußte als die 
Kunst der Renaissance auf der Antike. Wer in Führich nicht mehr sieht als 
einen durch Raffael und Dürer beeinflußten Epigonen und wer Führich 
schwächlich Endet, der muß allerdings erst sehen lernen. Nein, die Roman- 
tiker erstrebten eine völlige Erneuerung der Kunst und sie haben sie auch 
großenteils erreicht, und wo sie sie nicht erreicht haben, da haben sie uns 
die Durchführung als Erbteil überlassen. Denn ihr Streben ist noch lange 
nichts Abgeschlossenes; bei ihnen anzuknüpfen ist nicht Wiederholung, es 
ist wirkliches Fortführen und dem Ziele Zustreben. Es ist gewiß kein Zufall, 
daß einige frühe Zeichnungen Kupelwiesers aus den zwanziger Jahren, 
die uns die Ausstellung zeigt, wie eine Vorahnung der Neuesten erscheinen 
und daß wir selbst Puvis de Chavannes, ja Toorop, anklingen hören. Zu jeder 
großen Bewegung mußte wiederholt Anlauf genommen werden, das lehrt
	        

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