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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 8 und 9)

klar zu machen, daß auch die kirchlichen Werke nachmittelalterlicher Zeit 
Achtung verdienen und daß nur eine vorgefaßte Meinung ihnen die Kirch- 
lichkeit absprechen kann. Kann irgend jemand etwa sagen, daß der Betende 
vor einem barocken Altare weniger andächtig ist als vor einem gotischen? 
jedes Kunstwerk, das aus einer echten Empfindung heraus geschaffen 
worden ist, muß diese Empfindung wieder in uns erwecken, dadurch allein 
ist es ja ein Kunstwerk. Und sollte es seit dem Mittelalter wirklich kein 
echtes religiöses Empfinden mehr ge- 
geben haben? Es scheint doch etwas 
gewagt und gefährlich, dies behaupten 
zu wollen und echte christliche Empfin- 
dung nur für eine einzige und besonders 
für eine langverwichene Periode gelten 
zu lassen. 
Es soll nun gewiß nicht gesagt 
sein, daß wir zu den Nachahmungen 
mittelalterlicher kirchlicher Kunst nun 
auch Nachahmungen barocker Werke 
hinzufügen sollen. Die natürliche Fol- 
gerung ist vielmehr, daß es keinen Stil 
gibt, der ein Privilegium auf Kirchlich- 
keit hat, daß auch vom Standpunkte der 
Kirche aus alles Gute und das durch 
die Zeit geweihte Alte zu erhalten sei 
und daß unsere Zeit sich durch gar 
kein historisches Vorurteil binden zu 
lassen brauche. In gewissem Sinne 
ist die Vorführung der Werke des 
XVII. und XVIIIJahrhunderts, deren 
Schwerpunkt, wie gesagt, die Barock- 
kunst bildet, also ebenso wie die der 
„Nazarener" eine Kampfausstellung; 
das sind aber im allgemeinen immer 
die fruchtbarsten Ausstellungen ge- 
wesen. Andere verlohnen eigentlich 
gar nicht der Mühe eines größeren 
Aufwandes. Bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit konnte die 
österreichische Abteilung natürlich nur eine kleine Auswahl oder vielmehr 
eine Anzahl von Stichproben bieten; mehr hätte auch nicht der Raum und 
die Schwierigkeit der weiten Sendung gestattet. Immerhin durfte man wohl 
erwarten, daß Österreich an barocken Werken einiges Hervorragendes 
bieten werde, wenn es auch nicht gelungen wäre, die fast unschätzbaren 
Stücke aus der kaiserlichen I-Iofkapelle, aus Klosterneuburg, Mariazell und 
so weiter zu erlangen. Natürlich war es schwer, große Werke zu bringen, 
Ausstellung für christliche Kunst in Düsseldorf. Maß- 
kelch von 1727 (Domkapitel von Sankt Veix, Prag)
	        

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