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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 8 und 9)

träger der Fürsten ihre Aufgebote ebenfalls mit eigenen 
Zeichen versahen, die dann den betreffenden Territorien 
zugehörten und als Wappenbilder dieser Herrschaften 
verblieben. Der Begriff „Landeswappen", also nicht das 
Wappen eines Geschlechts, sondern eines Terri- 
toriums, hatte sich auf dem vorhin angedeuteten  ' 
Wege schon ziemlich früh herausgebildet. So spricht n- 
Gottfried von Straßburg in seinem „Tristan" (I2r5) 
von einem „Landpanier": „Nu die innern begunden 
ir lantbaniere erkennen, ir zeichen hoeren nennen". 
Der Bearbeiter der „Kudrun", ein Süddeutscher, zweite 
Hälfte des XIII. Jahrhunderts, sagt: „Der künic von 
Ormanie der was vrö genuoc dö er und ouch die sine 
 
 
 
,. . _ Abb. 6. Wappen des Her- 
sines landes wafen truoc", weiters, „vor der üzern mgmm, Kimm, aus de, 
porten sih ich von Mörrichen wagen daz landes zeichen". Zürich" Wßvpenwlle 
(erste Hälfte des XIV. 
Im „Apollonius" des Heinrich von Neustadt, eines Jahrhunderts) 
Österreichers (1312), findet sich folgende Stelle: „ouf 
iedes ros man entwarf den schild von dem lande" und so weiter. Das 
Landeswappen, hervorgegangen aus dem Heerbannszeichen, blieb am Gau 
haften, auch wenn derselbe den Besitzer wechselte, also ganz kongruent 
dem Haus- und Hofmerkzeichen, es band sich eben nicht an die Person, 
sondern an das Land. Es gibt dafür Beweise genug, selbst innerhalb 
unserer heimatlichen Grenzen. Ein Beispiel möge genügen. Als im Jahre 
1192 der Letzte aus dem Hause der Traungauer, Ottakar II. Herzog von 
Steier, kinderlos gestorben war, Fiel gemäß eines Übereinkommens vom 
Jahre 1186 das Herzogtum an den Babenberger Leopold V. den Tugend- 
haften, nach dessen baldigem Tod sein zweiter Sohn Leopold VI. der Glor- 
reiche die Regentschaft in der Steiermark antrat, mit ihr aber auch das 
damalige Wappen, das Heerbannszeichen des I-Ierzogtums, 
SHISB einen schwarzen Panther im silbernen Feld, übernahm. 
' Das Heerbannszeichen seines Geschlechts, der Baben- 
berger, zeigt dagegen zwei Löwen übereinander, wahr- 
scheinlich schwarz im goldenen Feld, wie es sein Onkel 
Heinrich der Ältere von Mödling in seinem Siegel vom Jahre 
1220 führte (Abb.3). Als Leopolds Bruder Friedrich der Katho- 
lische im Jahre 1x98 kinderlos starb, erhielt Leopold auch 
noch Österreich, dessen Heerbannszeichen ein goldener Adler 
im schwarzen Felde gewesen war. Leopold führte nun, diesen 
beiden an ihn gefallenen Ländern entsprechend, beide Bilder 
gleichzeitig als Herzog von Österreich und Herzog von Steier, 
ohne weitere Berücksichtigung seines ihm von seinem Ge- 
Abb- 1- Wappen schlecht überkommenen Wappens; siehe sein Münzsiegel aus 
d" Bismms u" dem Jahre 1205 (Abb. 4 und 5). Der Avers des Siegels (Abb. 4} 
burg aus der Zil- _, _ 
richerwappenmlle zeigt in Schild und Fahne den Adler von Osterreich, der Revers
	        

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