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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 8 und 9)

Das Sticken selbst in diesem Kurse leitet Fräulein Brunner. Es werden zunächst die 
verschiedenen Stiche der Hausindustrien gepflegt und für einfachere rnoderne Arbeiten, 
an Kleidern und anderem, in stilistisch und technisch berechtigten Übertragungen zur 
Anwendung gebracht. Dann werden unterschiedliche Leinenstickereien und Applikationen 
sowie Verbindungen verschiedener Stiche geübt. Aufgefallen sind uns unter anderem 
Ausstellung der k. k. Fachschule für Kunst- 
stickerei in Wien. Mantel aus Roheeide mit 
russischem Leinendurchbruche (in weißer und 
gelber Seide) 
ausgeschnittene Applikationen auf Lichtschirmen, 
Vorhängen und so weiter, sowie einige hübsche 
Kissen. Die Ausnutzung des Materials ist immer 
sehr gut und die Muster sind nur geeignet, auf die 
Schülerin geschmackbildend einzuwirken. 
Übrigens sind auch hier schon die Arbeiten 
vielfach nach Entwürfen der Schülerinnen selbst 
angefertigt, so zum Beispiele auch das reizvolle 
hier abgebildete Musterstück in Locken- und 
Gobelinstich, eine Arbeit des Fräuleins Friederike 
del Zopp (Abbildung auf Seite 470). 
Der zweite Kurs steht unter der Leitung der 
Frau Schinnerer, die durch ihre Mitarbeit an eini- 
gen Untersuchungen des leider verstorbenen 
Hofrates Riegl auch der wissenschaftlichen Welt 
bekannt ist. Dieser Kurs pflegt zunächst dieWeiß- 
Stickerei, und zwar sowohl die Monogrammsticke- 
rei als die feineren Arten; dann folgen die Durch- 
brucharbeiten, erst die weißen, dann die bunten, 
die russische und die anderen Arten, darauf die 
Pikeetechniken und die gezogenen A-jour-Arbeiten. 
Der größte Teil der Stickereien ist hier schon nach 
eigenen Entwürfen der Schülerinnen verfertigt. 
Die hübsche und wirkungsvolle Richelieu-Stickerei 
auf Seite 470 sowie das reizende Kinderhäubchen 
auf Seite 473 nach einem Entwurfe der Frau 
Schinnerer selbst können gewiß als Beweise eines 
sehr erfreulichen Erfolges angesehen werden. Be- 
sonders zu erwähnen wären auch die ägyptischen 
Flechtarbeiten, die farbig zusammengeknüpften 
Fransen, Taschen und Mützen, sowie die Brett- 
chenwebereien in bosnischer Art, die besonders 
für Gürtel Anwendung finden. 
Die Zeichnungen dieses Kurses umfassen 
wieder Naturstudien und Entwürfe für die hier 
gelehrten Techniken und geben gleichfalls Zeug- 
nis von tüchtiger Führung. 
Der dritte Kurs, unter der Leitung des Fräu- 
leins Schreyer, bietet zunächst Proben der chine- 
sischen gleichseitigen Stichart, dann der freier 
gelegten japanischen. Sehr bildend für Auge und 
Hand und auch vielfach für die Praxis von Wichtigkeit sind die Nadelmalereien nach der 
Natur, Blumen und Blätter, die zum Teile ohne jede Vorzeichnung unmittelbar mit der 
Nadel ausgeführt sind; man vergleiche hier die Studie des Fräuleins N. von Stepski auf 
Seite 47x. Golclstickereien erscheinen gesprengt, gestochen und in allen anderen Arten; 
die Ausführungen sind zweckentsprechend meist für Kirchliches gedacht. Auch wird die 
Maschinstickerei mit Recht nicht übergangen. Sie läßt sich aus unserem Wirtschaftsleben
	        

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