MAK

Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 6 und 7)

 
 
 
 
durch den Holbeinschen Charakter des Stückes 
hinlänglich beglaubigt und wird noch durch 
die, dem Adler im Fond beigegebene Devise 
Kaiser Karls V. „Plus ouß." begründet. Eine 
Kachel mit der Reiteriigur des heiligen Georg 
ist bemerkenswert, weil sich der 
I-Iafner als Modelleur genügte und 
die Hohlforrn eigenhändig her- 
stellte (Abb. 1x0). Mit dem an- 
brechenden XVI. Jahrhundert 
wächst bei der Ofenkeramik 
Deutschlands das Streben nach 
künstlerischer Ausführung, und 
der Süden, welcher in erster Linie 
aus dem Motivenschatz der Re- 
naissance schöpfen konnte, über- 
nimmt die Führung in künstle- 
rischer Hinsicht und verwertet 
die technischen Fortschritte in 
der Behandlung des Rohmaterials 
und der Herstellung der Zinn- und 
Bleiglasuren. Es entsteht eine 
Reihe vorzüglicher Öfen, deren 
Kacheln, aus fein geschlemmtem 
Ton verfertigt, Darstellungen von 
künstlerischer Konzeption und 
Modellierung tragen. Eine dünn 
aufgetragene Bleiglasur von war- 
mer grüner Farbe läßt das Relief 
in seiner ganzen Schärfe hervor- 
treten und gibt ihm eine glän- 
zende Wirkung. Auffallend ändert 
Abb. 114. Bunte Krönungskachel. Süddeutsch, XVIJahr- SiCh auch 11110111611? das Kachel- 
hundert, erstes Drittel. Hiihe v3: Meter. (Vergleiche den format Vvährend die Spätgotik 
Ofen in Abb. x13) _ , , _ , 
die Vertikale gle1chw1e in der 
Tracht, in der Formgebung der Räume und Möbel, so auch in der Gestalt 
des Ofens und der einzelnen Kachel betonte, tritt mit dem Beginn des 
XVI. Jahrhunderts die Horizontale in ihre Rechte. Es ist der Ausdruck eines 
neuen Stilgefühls, dem sich alles Geformte, von der Architektur bis zurn 
Möbel, unterwirft. Die Kachel dieser Zeit geht also im Gegensatz zur 
gotischen mehr in die Breite, indem sie gleichseitig gestaltet wird. Dadurch 
wurde auch der ganze Ofen stabiler - gleichwie die Menschen in ihrer 
neuen Tracht entschiedener und gewichtiger auftraten und fester auf dem 
Boden standen als die schlanken und geschmeidigen Gestalten auf den lang-
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.