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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 6 und 7)

gebrannt wurden. Ihre 
Heimat ist Salzburg. 
Hatte sich die Re- 
naissance in der Ofen- 
keramik das Medaillon 
aus den Dekorations- 
motiven italienischer Ar- 
chitektur für die gleich- 
seitige Porträtkachel ent- 
lehnt, so wählte sie für 
die Höhenkachel aus 
dem gleichen Vorbilder- 
schatz den Portikus. Er 
gab die Umrahmung für 
die nun häufig {iguren- 
reichen Darstellungen. 
Dies leitet uns zu einer 
Gruppe von Kacheln 
österreichischer Her- 
kunft, die einen neuen 
 
Abb. x35. Bunte Gesimskachel mit Hzgars Verstoßung. Oberösterreich, 
zweite Hälfte des XVLjahrl-lunderxs. Höhe cvxq Meter 
wichtigen Beitrag zur Geschichte heimischer Hafnerkunst liefern sollen. 
Über freundliche Mitteilung des Herrn Dr. Walter Stengel in Nürnberg 
 
Abb. 136. Bunte Säulenbase von einem Ofenfuß. ln 
der Art der Arbeiten des Salzburger Hafners HR. Um 
1570. Höhe 015 Meter 
kommen wir zur Kenntnis eines bis- 
her in der keramischen Literatur noch 
unbenutzten I-Iandwerksbuchs der 
Hafner in Kreußen, welches der Ge- 
lehrte gelegentlich seiner vorjährigen 
Forschungen in dieser alten Töpfer- 
stadt aufgefunden hat. Wir geben aus 
dem Handwerksbuch die uns hier 
interessierende Stelle wieder: „Erst- 
lichen ist zu Wiessen, dasz vor alten 
Zeiten alsz anno 1512 I-Iäffner hier 
gewessen sintt mit Nahmen die 
Vesten, die Bilt-Schnitzer und Bos- 
sierer zu gleich gewesen sintt und 
haben in der Statt Win und Lintz 
vornehme Arbeit von allerhantt 
Figuren in die Kirchen gemacht". 
Mitglieder der Familie Vest hätten 
also für Kirchen in Nieder- und Ober- 
österreich gearbeitet und es wäre 
nachzuforschen, ob ihnen hier pla- 
stische Werke zugesprochen werden
	        

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