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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 6 und 7)

der Zimmer stehend. Eine andre Lebensstimmung umfangt uns da, ruhevolle große Stille, 
Ausklang, Schicksalsfrieden. 
Meisterlich sind die neuen Bildnisse von Jan Veth, scharf geschnitten und ausdrucks- 
stark. Veth malt Augen, die einen durch und durch sehen. 
Ein Repräsentationsbild und dabei ganz menschlich persönlich ist das große Porträt 
des Bremer Bürgermeisters Dr. Pauli von Konrad von Kardorff. Der Bremer Senat will 
hinter den Hamburgern, die unter Lichtwarks Geschmacksgouvernement sich von Lieber- 
mann verewigen ließen, nicht zurückbleiben an Modernität. 
Delikaten Geschmack zeigt das Bildnis der erlesen schönen Narina Vollmöller, der 
Florentinerin und Gattin des Dramatikers Vollmöller. Das Bild der Signora von Lepsius 
ganz hell mit dunkelliedrigem Muff, in tänzerischer Rokokobewegung gibt die seltene 
Mischung dieser Frau aus Anmut und großstiliger Linie wieder. 
Mit einem hier unbekannten Porträtmaler macht uns die Sezession bekannt. Ein 
Verstorbener ist es, der Schwede Josephson. Einige frappante Köpfe von ihm blicken uns 
an, vor allem die virtuose Studie des Journalisten Renholm, ganz auf Schwarz und Weiß 
gestellt mit weißer Hinterwand, schwarzem Anzug, weißer Weste, schwarzer Flatter- 
schleife und darüber unter der schwarzen Schopffrisur das schwammig teigige weiße 
Gesicht mit dem Akzent des Monokels. 
Einem andren Toten gilt ein Saal weihevoller Erinnerung, Walter Leistikows Büste 
steht hier und um ihn hängt aus Galerie- und Privatbesitz eine Auslese seines Werkes, 
die Grunewaldstimmnngen sind es vor allem und der gelbe Abend in Schweden über den 
Wassern mit der dunklen Landzunge. 
Den Eindruck wurzelstarker erdfester Kunst bekrähigt man sich wieder vor den 
Werken des Frankfurter Meisters Böhle. Sein Bauer rnit dem Ledergesicht und den roten 
Brustlatz aus dem Dunkel tauchend, seine monumentale Schwemme mit machtvoll 
andrängenden Pferde- und Menschenleibem, das ist von einer deutschen Faust gebannt, 
die Formgewalt hat über das Leben. 
Nach Vollendungen interessiert das Problematische. Der junge Max Beckmann ist 
ein leidenschaftlicher Ringer. Visionäre apokalyptische Gewimmel will er beschwören, 
Sintflutszenen, Schiffbruch, Messina-Katastrophe; er wagt sogar ein Auferstehungsbild mit 
Heerscharen in den LiiRen über modern gekleideten Menschen. Ein brennender Wille 
lodert und ein schwerer Ernst wälzt sich lastend. Doch sind diese Sinfonien der 
Körper nicht souverän gebändigt, im einzelnen bewundert man Modellierung und kühne 
Skulptur in diesen Torsos. 
Viel Geschmackskunst blüht. Bilder als dekorative Zierate, die als Stoß schon 
Dekoratives wählen. Breyers bleich schimmemdes Silbergerät zwischen grüner Seide; 
Hiibners Antiquitätenschrank mit Bric-a-Brac und Japonerien, auf griinblauem Moire ein 
tieftoniger Buddha und ein dunkelschimmemder Lackschrein; Klimts Porträt-Omament 
einer Frau in Lilagrau-Stirnmung auf einem Hintergrund mit Augenmusterung und Mosaik- 
dekor; Oppenheimers orientalisches Porzellan in schimmernden Halbtönen; Orliks Weib- 
licher Akt, elfenbeinkühl auf weißem Linnen und unter dieser milchigen Harmonie 
samtige Rot-gelbJalau-Blütenstickerei einer Decke. 
Sehr eigen sind wieder die Dekorationen Vuillards. Er treibt mit Ausschnitten des 
Alltagslebens ein Zierspiel. Interieurs, ein Gartenzelt, ein Promenadeweg werden ihm zu 
Geschmackmustern und Ornamenten. Gezweig mit braunem Laub wirkt silhouettenhah 
wie die Zitterphantasien auf japanischen Schablonen, und die Sprenkellinien der Kleider 
werden Tapetenhintergrund. - Ein kurzer Schlußblick auf die Plastik. Souveräne Herr- 
schaB: haben Kolbes Kampfgruppen in der Architektur der Körper. Carabin bringt in 
Kleinplastik espritvolle Tanzi-igurinen und Klimsch Portalskulpturen eines ruhenden 
Jünglings und Mädchens aus Treuchtlinger Marmor. - Und liebenswürdig und fein ist 
der schlichte Brunnen Gauls, ein Steinbecken mit einem Mittelschaft und darauf in dunkler 
Bronze eine lebendig modellierte Seeotter mit einem goldschuppigen Fisch im Maul. F. P.
	        

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