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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 1)

„AltwieneW Genre hat Hampel 
einiges Hübsche; auch dieses Rom 
ist nicht an einem Tage gebaut 
worden, aber es ist gebaut. Da- 
gegen hat die Pariserei jetzt kein 
rechtes Glück. Selbst der hoch- 
begabte Michl, der aus Paris nach 
Wien in die Paniglgasse überge- 
siedelt ist, tappt dort im Unsicheren; 
er möchte sich auf dem Nasch- 
markt wieder zurechtfinden. Sein 
Kollege in Paris, Simon, ist in 
seinen Seebädern nach wie vor 
der anmutige Strandläufer, mitten 
durch Licht und Sonne. Der einst 
geschätzte Barbar Uziemblo malt 
jetzt den Pont-Neuf, wie ein pol- 
nischer Gaston La Touche. Gino 
Parin aber, jetzt in München, setzt 
eine Grau-in-grau-Dame a la Gan- 
dara als magere Arabeske hin, nicht 
ohne Tonfeinheit, während er in 
anderen Dingen tastet, auf jedem 
Blatte anders. Kunstgewerblich 
sind Junks Wandfüllungen (Pfau 
und Leierschwanz mit viel flachgeschnitztem und koloriertem Ornament) sehr bemerkens- 
wert, desgleichen Barths Fliesenlandschaften aus dem Hochgebirge. Beides sinnige Möglich- 
keiten des Flächenschmucks. Ein paar Stückchen Plastik zwischendurch. Der Prager Stursa 
(„Eva") hat Maillol angesehen, aber nicht den jetzigen, sondern den früheren. Barwig hat 
sehr hübsches Rotwild in Bronze, sollte sich aber doch die japanische Einfachheit vor 
Augen halten. Ein Kollelrtivgast ist der Bund zeichnender Künstler in München. An der 
Spitze Ernst Liebermann, ein sehr gesetzter Herr. Manche Namen wohlbekannt. So der 
Tierdarsteller Paul Neuenborn, dessen Naturstudien von Leben strotzen, während seine 
„Bilder" in Unnatur versinken. Die Einfachheit der Tierform ist da ganz zerpflückt. 
Zerzupfte Eisbären, frisierte Nashörner, Straußvögel vom Federnschmücker. Und alle 
herdenweise, bei München. Sogar ein grüner Eisbär steht inmitten der weißen; „Apotheke 
zum grünen Eisbären". Reizend die Schmetterlingsbilder von Ernst Kreidolf. Genrebilder 
aus dem Schmetterlings- und Raupenleben, humanisierte natürlich, und in der Ausdrucks- 
weise japanisierte. Dabei echt deutsches Versenken in das, woraus auch die Tierfabel 
entsprungen ist. Sehr hübsch der bekannte „Ehehafen" von Albert Welü. Das ist auch so 
ein Maniak des Erzählens. Das Stück Welt, in dem er lebt, muß Boccaccio erschaffen haben. 
Im übrigen nichts sonderlich Anziehendes. 
 
Stafflerle holzgeschnitzte Krippenfiguren, Arbeiten des josefPartsch 
in Engelsberg, erste Hälfte des XIX. Jahrhunderts, schlesisch 
(Direktor Karl Sengseis, Karlshrunn) 
RÜDQLF VON ALT. Man nennt das eine Ausgrabung. Aber das Ausgegrabene 
kann unglaublich lebendig sein, und unser Alt gar war eine unversiegliche Lebens- 
quelle. Welche Freude nun, als bei Miethke plötzlich wohlgezählte zehn Aquarellchen 
auftauchten, Wiener Ansichten, datiert 184.4 und 1845, Größe durchschnittlich 12x75 
Zentimeter. Der Gipfel seiner ersten Meisterzeit, der kleinmalerischen. Rudolf Alt als 
unbewußter Erfinder der Ansichtskarte. Diese Bildchen hatte sich damals ein russischer 
Diplomat, Graf Bariatinski, bei seinem Abschied von Wien bestellt und nach Paris mit- 
genommen, von wo sie mit seinem Sohne, der gleichfalls Diplomat war, nach Rom 
gelangten. Nach sechzig Jahren sehen sie nun die Heimat wieder, sind freilich bereits
	        

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