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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 1)

Postkutsche. Markus Behmer strichelt minutiös ironische Epigramme im haarscharfen 
Gravierungsstil. Der Engländer Conder bringt in zarten, rötelüberhauchten Lithographien 
sein graziöses Rokoko im Schein einer orientalischen Wunderlampe: fetes galantes, traum- 
hafte Gartenszenen, preziöse cours d'amour, spanisch-exotische Szenerien. Walter Klemm 
erinnert an Orlik in seinen saftigen Holzschnitten vom Kirchgang und Viehmarkt in Dachau 
mit den ornamental-fiächig benutzten breiten Röcken der Frauen und den scheckigen 
Rücken der Rinder. Und japanisierend ist der geschwungene Brückenbogen im prasselnden 
Strichregen. In der Toulouse-Lautrec-Kollektion bannt ein seltenes Blatt: Mademoiselle 
Elsa, ein pikant verwischter Puderkopf über einem blauen Umhang von gefiederweichem 
Schmelz. 
Kuriositätsreiz haben schließlich die Arbeiten von Ilna Ewers-Wunderwald: Eulen, 
Hähne (im federüiegenden Kampffuoco), ein Truthahn, Disteln voll peinlichster Detail- 
genauigkeit, von einer gewissen Pedanterie im Dekorativen, dabei aber von einem email- 
haften Farbenglanz. F. P. 
INE SIGNIERTE ALTWIENER PORZELLANGRUPPE VON 
J.  NIEDERMEYER. In dem von Josef Folnesics und mir herausgegebenen 
Werke über die Wiener Porzellanmanufaktur habe ich (S. 170) eine Anzahl stilistisch und 
sachlich zusammengehöriger Gruppen und Figuren antiken mythologischen Inhaltes 
besprochen, die auf „Grund der genauen anatomischen Kenntnisse, der kräftigen, noch ganz 
barocken Modellierung, der eigenartigen, marmorartigen Stilisierung der kurz gelockten 
Haare und der Sujets sofort erkennen lassen, daß es sich um Werke eines von der Groß- 
plastik stammenden, unter dem Einflüsse der Kunst Raphael Donners stehenden Bildhauers 
handelt". Ich stellte ebenda die Hypothese auf, 
daß dieser Künstler wohl der erste Modellmeister 
der Kaiserlichen Fabrik, Joh. Josef Niedermeyer, 
gewesen sei. Nun tauchte vor kurzer Zeit eine 
unbemalte Gruppe auf, die in die oben beschriebene 
Kategorie gehört. Die Darstellung ist die des 
Kampfes zwischen Herkules und Antäus und im 
Porzellanwerk (S. x74) ist ein gutes Exemplar des- 
selben Modells aus dem Besitze des Herrn Gottfried 
Eißler in Wien, der auch das hier zu besprechende 
Exemplar erworben hat, abgebildet. Die neuaufgetauchte 
Gruppe bezeugt nun endgültig dieAutorschaft Nieder- 
meyers und ist deshalb von höchster Bedeutung für die 
österreichische Kunstgeschichte des XVIII. Jahrhunderts. 
Abgesehen von der sorgfältigen und detaillierten Durch- 
arbeitung, die sofort erkennen läßt, daß ein tüchtiger Meister 
sie nach dem Ausformen bossiert hat, trägt sie auf der 
Sockelplatte vorne unter der Glasur die eingeritzte Inschrift: 
aus der zur Evi- 
lfä: - " 1); denz hervorgeht, 
J ülaejrlnqely In daß die im Por- 
zellanwerk von mir aufgestellte Hypothese eine richtige 
war. Die Gruppe (22-3 Zentimeter hoch) stammt aus dem 
Jahre 174g, der Übergangszeit von der eingedrückten zur 
unterglasurblauen Fabriksmarke. Der Bindenschild ist auf 
der Rückseite der Sockelplatte eingedrückt (Porzellanwerk, 
Markentafel u), im Innern des Sockels befindet sich der 
 
 
Wiener Porzellangruppe, um 
1749, von dem Modellmeister _ _ 
J_ J, Niedmneye, (Sammlung blaue Bindenschild, neben der Modellmarke D. Damals hat 
Gottfried Eißler-Wien) man viel mit neuen Massemischungen experimentiert, wie
	        

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