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Full text: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 2)

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Mit diesen Anstalten waren kunstgewerbliche Centren geschaffen, 
die ihre Thätigkeit im Kreise ausstrahlten. Aber naturgemäß, je weiter 
die Entfernung, je geringer musste die Wirkung sein. Man fand' ver- 
schiedentlich das Bedürfniss localer Thätigkeit angepasst den localen Ver- 
hältnissen. Denn wie in der Hauptstadt sich alle Zweige der Industrie 
beisammen fanden, so standen sie draußen vereinzelt, hier die Weberei, 
dort die Porzellan-Fabrication, an einem dritten Orte die Glasfabrication 
und so ferner. So kam man dazu, für diese localen Verhältnisse und 
inmitten derselben die speciellen kunstgewerblichen Fachschulen zu gründen. 
Man hätte die Dinge nicht logischer erdenken können, als sie in 
Wirklichkeit gingen. Dass man dabei mit Fachschulen oder Lehrwerk- 
stätten ein wenig experimentirte, war bei der Neuheit begreiflich, ja wohl 
gar nothwendig. 
Aber all' das, was bis dahin auf diesem Wege geschehen, war doch 
nur Lehre, nur Schule und Schulung. Wie stand es aber mit der eigent- 
lichen Praxis? Wie verhielt sich das Gewerbe selber dazu? Wenn dieser 
große Schritt, dieser Uebergang in die Praxis nicht geschehen, so wäre 
ja alle Liebesmühe umsonst gewesen. 
Anfangs misstrauisch gegen das Neue, widerwillig sogar, wurde die 
Industrie doch nach und nach der Reform gewonnen. Einzelne leitende 
Industrielle gingen selbst mit großer Passion darauf ein, und da mittler- 
weile durch die Schulen junge Kräfte im neuen Geiste ausgebildet waren, 
so fehlte es ihnen auch nicht an den erlindenden Köpfen und den aus- 
führenden Händen. Es entstand daher im Laufe der Jahre der guten 
Arbeit so Vieles und so Bedeutendes, dass die Kunstindustrie, wie wir 
ja alle erlebt haben, auf allen Ausstellungen ohne Frage das vorragendste 
Interesse für sich in Anspruch genommen hat, ja zahlreich wurden Aus- 
stellungen, große wie kleine, nur um ihretwillen veranstaltet. 
So war auch die Lehre in die Arbeit übergegangen und der prak- 
tische Erfolg, wenn auch nicht der materielle, gesichert. Diese Zweifel- 
haftigkeit des materiellen Erfolges hat in der jüngsten Zeit einen weiteren 
Schritt in der Entwicklung herbeigeführt, nämlich eine Vereinigung der 
Kunstindustriellen selber zur größeren Verbreitung und finanziellen Aus- 
nützung desjenigen, was auf Grundlage der modernen Geschmacksreform 
gelernt und gearbeitet worden. Es sind, zumal in Deutschland, an ver- 
schiedenen Orten Vereine entstanden, nicht, wie wohl schon bisher, zur 
Unterhaltung einer Schule, sondern zur Unterstützung des Absatzes mit- 
telst einer permanenten Ausstellung, so in Berlin, Hamburg, Dresden, 
München, Düsseldorf, Frankfurt und an anderen Orten, zum Theile in 
Verbindung mit den vorhandenen Museen oder Schulen, zum Theile ganz 
frei und selbständig. 
Dabei ist eine Wahrnehmung sehr bemerkenswerth. Vor wenigen 
Jahrzehnten noch, wer wusste etwas von Kunstgewerbe oderKunstindustrie? 
Nicht einmal die Namen existirten. Man hatte das Gewerbe und seine
	        
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