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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 4)

Lüttich kann man an zwei sehr charakteristischen 
Werken von Gerard de Lairesse studieren, an einem 
„Martyrium der heiligen Ursula" und an einem Bilde 
(Neuer-Werbung), welches die Landung des Äneas in 
Italien darstellt, in dem namentlich der Einfluß der 
Poussinschen Kunst sehr deutlich erkennbar wird. 
Die holländische Malerei des XVII. Jahrhunderts 
nimmt in der Galerie den breitesten Raum ein und gibt 
ihr das charakteristische Gepräge. Bauernbild und 
Landschaft, Porträt und Tierstück, Stilleben und 
Marinen sind in durchaus typischen Beispielen da, so 
daß keine der wichtigeren Schulen und Kunstgattungen 
vermißt wird. 
Der Rembrandt-Schule gehören einige treffliche 
Bildnisse an, so ein schönes, nicht nur in der Auffassung 
und Lichtwirkung, sondern auch in der Technik ganz 
an Rembrandt gemahnendes Kniestück einer reich- 
gekleideten jungen Dame von Govaert Flinck aus dem 
Ende der vierziger Jahre des XVII. Jahrhunderts und 
das Brustbild eines alten Rabbiners von Gerbrandt van 
den Eeckhout. Bernard Fabritius stellt in fünf männ- 
lichen Brustbildern die fünf Sinne dar. Im „Gesicht", 
das einen Maler vor der Staffelei gibt, dürfen wir viel- 
leicht ein Selbstbildnis des Malers vermuten. Von 
Willem van I-Ionthorst ist ein Porträt der Prinzessin 
I-Ienriette Louise von Oranien-Nassau in etwas harter 
und trockener Malweise vorhanden. Ferdinand B01 gibt 
in lebensgroßen Figuren den berühmten Staatsmann 
_ _ _ _ _ _ _ Abb. g. Maria von einer Kreu- 
Cornelis de Witt mit seiner Gemahlin und seinen beiden zigungsgfuppg ,-„ ccmen. 
Kindern. Dieses Bild leitet schon in seiner ganzen Kom- münsm- Ende d" XV- Ja?"- 
position zum Gesellschaftsbild über, das wir unter hundms 
anderen in zwei Bildern von Dirk Hals, einem Ballfest und einer lustigen 
Gesellschaft, sowie in einem trinkenden Geigenspieler von Pieter Codde 
kennen lernen. 
Adriaen Brouwer, der seiner künstlerischen Entwicklung nach eine 
Mittelstellung zwischen Flamen und Holländern einnimmt, ist mit einer sehr 
feintönigen „Baderstube" vertreten, während ein größeres Bild, das einen 
Wunderdoktor darstellt, dem von allen Seiten Kranke zur Heilung bei- 
gebracht werden, und eine Bauernschlägerei nicht mit absoluter Sicherheit 
ihm zugeteilt werden dürfen. Von seinem Freunde und Schüler, dem Bäcker 
und Maler joos van Craesbeeck, ist ein Raucher, ein Bild, das früher als Werk 
von Brouwer selbst galt. Von den bäuerlichen Sittenbildmalern sind noch 
Werke von Adriaen und Isaak van Ostade, eine Teufelsbeschwörung Bollon- 
giers und das Innere einer Bauernstube von P. de Bloot zu nennen. Den 
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