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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 4)

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Von den mehr als vier Dutzend Objekten, die aus der Geistlichen Schatzkammer 
dem Museum überwiesen worden sind, mögen außer den bereits genannten noch hervor- 
gehoben werden: eine mit AL signierte elfenbeinerne Madonna, die Christian Scherer 
Antonio Leoni zuschreibt, ein Christus aus demselben Material, Michelangelos Statue in 
Santa Maria sopra Minerva nachgebildet, ein bezeichnetes Kruzifix Matthias Steinles, gleich- 
falls aus Elfenbein, Hans Dauchers von 1518 datiertes Kehlheimerrelief mit der heiligen 
Familie, ein Kruzifix mit eingelegten, schön gravierten Silberplatten und gravierte Pilger- 
stäbe aus Bambus. 
Die Aufstellung der mit elektrischem Licht glänzend beleuchteten Paramente ist 
vorzüglich gelungen, die anderen Objekte sind leider meistens allzu weit vom Auge des 
Betrachters entfernt, ein Übelstand, der freilich, zieht man die gegebenen Raumverhältnisse 
in Erwägung, kaum zu vermeiden war. 
Der vom Obersthofmeisteramt herausgegebene Führer, eine dankenswerte Gabe, 
ist mehr mitteilsamer Cicerone als wissenschaftlicher Katalog. Die Einleitung versucht die 
Geschichte der Sammlung zu geben. Zu der dort verzeichneten Literatur sind vor allem 
nachzutragen: das in dem Regestenteil des Jahrbuchs (Band XVI, Nr. 1263) publizierte 
Inventar der Geistlichen Schatzkammer von 1758 und die Arbeiten Alfred Sittes über die 
Geistliche Schatzkammer und die Inventare der Wiener Hofburgkapelle von x53: und 1679 
in den Mitteilungen der Zentralkommission, Neue Folge, XXVII und XXVIII, 190i und xgoz. 
Arpad Weixlgärtner 
 PREISAUSSCHREIBUNGEN FÜR DIE AUSSTELLUNG 
FÜR KIRCHLICHE KUNST. Um die kirchlichen und künstlerischen Kreise 
einander näherzubringen, soll im Jahre 19m in Wien eine Ausstellung kunst- und kunst- 
gewerblicher Werke für den katholischen kirchlichen Kult und die häusliche Andacht statt- 
finden. Die tatkräftige Förderung durch das Obersthofmeisteramt (Hoftiteltaxenfonds), durch 
das Unterrichtsministeiium, das Ministerium für öffentliche Arbeiten und andere Faktoren 
haben diese Ausstellung nicht nur völlig gesichert, sondern es auch ermöglicht, eine größere 
Anzahl neu zu beschaffender Kunstwerke und kunstgewerbliche Arbeiten durch Preisaus- 
schreibungen oder auf andermWege an österreichischeKünstler undKunstgewerbetreibende 
zur Vergebung gelangen zu lassen. Die Ausstellung selbst wird im Zubaue des Öster- 
reichischen Museums stattfinden. Das Preisgericht besteht aus den Herren: Ferdinand 
Andri, akademischer Maler; Theodor Axentowicz, akademischer Professor; Dr. M. Dreger, 
Regierungsrat; L. F. Graf, akademischer Maler; Franz Hohenberger, akademischer Maler; 
Dr. K. Holey, Architekt; Dr. R. Junk, akademischer Maler; August Kirstein, k. k. Baurat; 
J. Kotera, k. k. Professor; Wilhelm List, akademischer Maler; J. Mehoffer, akademischer 
Professor; Josef Plecnik, Architekt; H. Prutscher, Architekt; Otmar Schimkowitz, aka- 
demischer Bildhauer; O. Schönthal, Architekt; Universitätsprofessor Dr. H. Swoboda, 
Prälat; F. Thiele, akademischer Professor; J. Zasche, k. k. Baurat. Zunächst sind folgende 
Wettbewerbe ausgeschrieben: Ein reicher Fronleichnamsaltar mit Bild in Gobelintechnik 
(erster Preis 600 Kronen, zweiter Preis 400 Kronen, späteres Honorar für die Detail- 
zeichnungen 2000 Kronen); ein Ölgemälde „Guter Hirt" (erster Preis die Ausführung mit 
2600 Kronen, zwei zweite Preise zu je 500 Kronen); zwei kniende Anbetungsengel in 
bemalter Holzschnitzerei (erster Preis die Ausführung mit 1600 Kronen, zwei zweite Preise 
zu je 400 Kronen); ein Herz Jesu- und ein Herz Maria-Bild (erster Preis je 600 Kronen, für 
jede Bildskizze, drei zweite Preise vonje 400 Kronen fürjede Bildskizze, für die Ausführung 
der Bilder je 1200 Kronen); ein gestickter Traghimmel (erster Preis 300 Kronen, zwei zweite 
Preise zu je 200 Kronen, für die Detailzeichnungen später 700 Kronen). Die Skizzen sind 
bis 14. Juni dieses Jahres einzusenden. Ausführliche Programme sind durch das Bureau der 
Ausstellung für kirchliche Kunst (Wien, I., Bäckerstraße 8) kostenlos zu beziehen. 
Weitere Preisausschreibungen, insbesondere diejenigen für die Objekte, welche aus 
dem Hoftiteltaxenfonds beschafft werden sollen, werden in nächster Zeit ergehen.
	        

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