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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 5)

chen (G) und der Tour Claudine (Z) 
schützen die große, zur Abtei empor- 
führende Treppe, von der man entweder 
in den hochliegenden Teil der „Grande 
Rue" gelangt oder, der Befestigung 
folgend, auf die Plattform der mächtigen, 
kreisrunden Tour du Nord  Der 
Blick von da hinüber nach den Höhen- 
zügen, von denen Dörfer, Städtchen, 
Einzelgehöfte in grünen Wiesen mit 
reichlichen Baumbeständen herüber- 
grüßen, ist entzückend. Dann folgtTurm 
auf Turm, Bastion auf Bastion, zum 
Teil noch mit den alten Mächicoulis 
versehen, unten schräg anlaufend, um 
heruntergeworfene Projektile zum Ab- 
prallen zu bringen (Abb. 8). Andere 
Bilder entrollt ein Gang über die „Rem- 
parts". Durch das zum Teil dernolierte 
Vorwerk (A) und einen von niedrigen 
Abb. 26. La Crypte des Gros-Poliers" Substruk- Mauern umschlossenen Vorhof, in dem 
tionen des gotischen Chorbaues, xVuliahrhundert  X425 erbeutete englische  
untergebracht ist, tritt man in einen 
zweiten Hof, der durch eine äußerst geschmacklose Holzhalle und das Hötel 
Poulard den alten Charakter in mehr als augenfälliger Weise eingebüßt hat. 
Da sitzt zur Sommerszeit eine bunte Gesellschaft beisammen, zu der Albion 
nicht weniger beisteuert als Gallien. Photographische Apparate aller mög- 
lichen Formate liegen und stehen auf den Tischen herum, Fahrräder gibt's 
massenhaft: das Reisen der meisten Menschen hat ja einen geschäftsmäßigen 
Anstrich bekommen. Die Errungenschaften beziffern sich nach der Zahl 
der verbrauchten Films, nach jener der im Automobil und per Zweirad 
zurückgelegten Kilometer und der versandten Ansichtspostkarten. Die Post- 
schalterdame erzählte, daß an manchen Tagen die Zahl dieser Art von 
Mitteilungen fünftausend übersteige. Merkwürdigerweise sind sie mit keiner 
Steuer belastet! Einen versöhnlichen Anblick bietet der riesige alte Koch- 
kamin des Hotels, an dem die berühmten Omeletten der längst ins Jenseits 
abgerufenen Veuve Poulard noch heute in vorzüglicher Qualität hergestellt 
werden und wo sich weiter zahllose Hühner am Spieße über dem Feuer 
drehen, bevor sie ihrem Endziele zugeführt werden. Das elendigliche Krä- 
hen der Tierchen beim Massenmord hat mich mehr als einmal am frühen 
Morgen geweckt und ließ etwas ganz anderes als Äußerungen einer Morgen- 
andacht über meineLippen gleiten. - Weiter, durch ein zweites Tor, la Porte 
du Roy (Q; Abb. 14 und x 5), geht der Weg ins Städtchen, zur „Grande Rue" 
(Abb. 16). Unter den Wirtshaustüren stehen in der „Saison" aufgedonnerte 

	        

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