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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 6 und 7)

bach und kam 1216 unter der Re- 
gierung des Bischofs Ulrich II., 
Grafen von Diessen, an das Hoch- 
stift Passau; heißt dann Oberzell 
im Gegensatze zu Zell, dem späte- 
ren Fürstenzell, einer im Jahre 1274 
erfolgten Klostergründung des Pas- 
sauer Bischofs Peter. Beim Aufstand 
im Jahre 1367 zerstörten Passauer Bür- 
ger den Markt Obernzell und ließen ihn 
in Feuer aufgehen. Nach mündlichen 
Überlieferungen reicht die keramische 
Industrie des Ortes bis in diese Zeit, das 
- r XIV. Jahrhundert, zurück. Es sollen 
hierfür auch sichere Nachweise, die bei 
dem großen Brande des Jahres 1862 
vernichtet wurden, vorhanden gewesen 
sein. Jedenfalls haben sich die Töpfer 
des Marktes, bevor noch Hafnerzell sei- 
nen durch die Schmelztiegelfabrikation wohlverdienten Weltruf erlangte, mit 
der Herstellung von Graphitgeschirr beschäftigt. Das Material zu den in 
solcher Weise versetzten Geschirrsorten lieferten 
die Tegelgruben aus Freinberg (die sogenannte """""" 
Dachererde bei der Kirche zum heiligen Wilibald), ' 
an der österreichischen Grenze nächst Passau, 
dann die nahe dem Orte gelegenen Gruben in 
Pfaffenreuth,Leitersberg, Untergriesbach und jene 
in Grubweg an der Ilz und in Tiefenbach bei Pas- 
sau. Dem XVI. Jahrhundert gehörte bereits die 
Graphittiegelfabrikation an. Die Erzeugnisse gin- 
gen als Passauer Tiegel in den Handel und wurden 
wegen ihrer hohen Feuerbeständigkeit allgemein 
gerühmt. Der Bestand der Firma Kaufmann, aus 
der die heutigen vereinigten Schmelztiegelfabriken 
hervorgingen, läßt sich bis in das XVI. Jahrhun- 
dert zurück urkundlich verfolgen. Damals schon 
fertigten die Werkstätten Tiegel, die zum Gusse 
des am schwersten schmelzbaren Metalles, der 
Bronze, Verwendung fanden, und es ist sehr wahr- 
scheinlich, daß das Material in der Passauer Ge- 
gend - als das einzige abgebaut werdende Vor- 
kommen in ganz Deutschland und als das einzige 
kristallinischen Graphites in ganz Europa - schon 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Abb. 58. Topf aus Graphitton, Mittelalter (Burg 
Kreuzenstein) 
Abb. 59. Kleiner Henkelkrug, Mittel- 
_ alter (Fundort: Linz, Sammlung des 
am Anfang des XVI. Jahrhunderts allgemein Verfassers) 

	        

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