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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 6 und 7)

des dünnwandigen, hinsichtlich seiner Scherbenstärke dem Glas gleich- 
kommenden Bechers sollte die Möglichkeit einer Herkunft aus Köln aus- 
schließen und die primäre Form läßt den Herstellungsort in nicht allzu 
großer Entfernung vom Fundort vermuten. 
Eine andere, bisher nur in zwei vollständig erhaltenen Exemplaren und 
in einem Fragment nachgewiesene Gruppe zeichnet sich durch einen pinien- 
artigen rot-gelb glasierten Zapfendekor aus. Entweder ist die ganze Gefäß- 
wandung oder nur ein Teil derselben in solcher Weise ausgeführt. Die 
Spitzen dieser aus dem Material herausgetriebenen, somit nicht aufgesetzten 
Zapfen sind abgekappt und in den so entstehenden kleinen Kreisbogen ist 
ein Kreuz aufgedrückt. Weitere Verzierungsmotive sind plastische Eulen- 
federn, welche wachsend in mehreren Reihen übereinander angeordnet 
werden, sowie eine geschlossene Musterung aus enganeinander stehenden, 
mit Hilfe eines Stempels hergestellten kleinen kreisförmigen Eindrücken. 
Die Sammlung Figdor besitzt die in Figur 103 abgebildete Scheuer aus 
Ton. Noch bedeutender ist eine große Deckelvase in den Kunstsammlungen 
des Allerhöchsten Kaiserhauses (Abb. 104). Bezeichnend für diese Gruppe 
von Prunkgefäßen ist die Vorliebe des Schöpfers, den Deckel mit einer 
schildhaltenden Figur w sei es ein kniender nackter Mann oder ein 
hockender Löwe - zu krönen und seine Arbeiten stets auf einen Dreifuß 
zu stellen, wobei er mit großer Erlindungsgabe bald Wappenschilde, bald 
wieder stilisierte Löwentatzen oder eine sechsblättrige Rose wählt. Die 
letzterwähnte Form der Füße besitzt das in Wien, I., Schauflergasse 4, 
bei einem Umbau aufgefundene Fragment, welches in diesem Teile mit 
dem Zwinglibecher übereinstimmt (Abb. 105). Die Provenienz der Kera- 
miken mit Zapfendekor ist jedenfalls Österreich, und zwar die Donau- 
gegend; die engere vermutlich Wien, worauf der alte Besitz des Stückes 
im Hofmuseum, das Bindenschildwappen auf der Scheuer bei Figdor und 
der Fund in nächster Nähe der Wiener Hofburg hinweisen. 
Die Vorliebe für 
das durchbrochen ge- 
arbeitete Maßwerk der 
Gotik hat sich zuerst 
von der Architektur 
auf die Goldschmiede- 
und Metallkunst, im 
XV. Jahrhundert auf 
das Mobiliar und zu- 
letzt auf das kera- 
mische Kunstgewerbe 
übertragen. Gefäße mit 
diesem Dekor wurden 
doppelwandig herge- 
 
Abb. x07. Grün glasierte Henkelsehale mit durchbrochen gearbeiteter _ _ 
Außenwandung, Tirol, um x5oo (Burg Kreuzenstein) stellt; In ihren beiden
	        

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