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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

stisch. Unter den wahrscheinlich im östlichen Persien entstandenen Tep- 
pichen, die das sogenannte Herat-Muster zeigen, ist vor allem ein besonders 
schönes Exemplar aus dem Besitze von Herrn Julius Böhler in München 
(Nr. 29) zu erwähnen. Die wohl aus dem südlichen Persien stammenden 
Teppiche mit ornamentalen Blumenranken, die sich häufig aus Vasen ent- 
wickeln, die sogenannten Vasenteppiche, sind auf der Ausstellung in einigen 
schönen Exemplaren vertreten, unter denen die des kaiserlichen Otto- 
manischen Museums in Konstantinopel (Nr. 42), des Unterstaatssekretärs 
Stemrich in Berlin (Nr. 43), des Barons Tucher in Wien (Nr. 46) und jenes 
prachtvolle Fragment des Österreichischen Museums (Nr. 47) zu nennen 
sind, bei dem sich das reiche Blumenmuster von weißem Grunde abhebt. 
Die beiden letzteren sind gleichfalls im Wiener Werk mustergültig veröffent- 
licht (II,Taf. 5 und n). 
Von den persischen Gartenteppichen mit der Darstellung von gerad- 
linigen, ein Kreuz bildenden Kanälen und eines Bassins in der Mitte waren 
ein Exemplar aus dem Besitze von Herrn Lamm in Näsby (Nr. 59; abge- 
bildet bei Martin, Oriental Carpets, Pl. 24) und das schöne Stück des Herrn 
Dr. Figdor in Wien (Nr. 60) vorhanden, das Riegl gelegentlich in einer 
Farbentafel veröffentlicht hat."' Von gleicher Seltenheit sind die persischen 
Gebetsteppiche des XVI. Jahrhunderts, unter denen der mit reicher Silber- 
wirkerei versehene Teppich von Julius Böhler (Nr. 6x; Abb. 11) hervorzu- 
heben ist. Das Stück kam vor zehn bis zwölf Jahren in Konstantinopel in 
außerordentlich desolatem Zustande zum Vorschein und hat seitdem eine 
gelungene Restauration durchgemacht. Ähnliche Stücke sind mir sonst nur 
im Schatze der Safawiden-Moschee von Ardebil, im Kloster der tanzenden 
Derwische zu Konia (Oriental Carpets, Fig. 147), in der ehemaligen Samm- 
lung A. Goupil (Catalogue Nr. 5) und im Besitz eines der großen Händler 
Konstantinopels bekannt. 
Schon seit langem ist von Wilhelm Bode die Fabel von der polnischen 
Entstehung der seidenen, mit reicher Einwirkung von Silber- und Goldfäden 
versehenen Perserteppiche zerstört worden. Sie sind bekanntlich als beson- 
ders kostbare Teppiche vor allem als Geschenke nach Europa gekommen 
und ihr Vorhandensein in fürstlichem Besitz ist nur natürlich. Ein prachtvolles, 
besonders großes Exemplar verdanken wir Seiner Majestät dem Kaiser 
Franz Joseph (Nr. 69), ein anderes, kleineres, das zarte rot und grüne Ranken 
auf Goldgrund aufweist, Seiner Durchlaucht dem Fürsten Liechtenstein (Nr. 70), 
ein kleines, sehr reizvolles Stück mit naturalistischen Blumenstauden dem 
Grafen Franz Potocki in Krakau (Nr. 8x). Andere stammen aus dem Besitze der 
Herren A. S. Drey, J. Böhler, Stadler, aus dem Nationalmuseum (Nr. 73-75) 
und aus der Residenz in München (Nr. 65-68). Letztere haben, wie schon 
erwähnt, den Anlaß zu der gesamten Ausstellung gegeben. Das in Ab- 
bildung 12 wiedergegebene Stück ist deshalb bemerkenswert, weil sich hier 
im Innenfelde dasselbe Muster in senkrechter Richtung zweimal wiederholt. 
x Ein orientalischer Teppich vom Jahre uoz n. Chr. etc. Berlin 1895.
	        

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