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Full text: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

graphie galt stets als die vornehmste aller Künste, der sich mit Vorliebe 
auch die Fürsten zu widmen pfiegten und die schier unerschöpflich zu sein 
schien an immer neuen Variationen, stilgemäßen Verfeinerungen und geist- 
vollen Kombinationen. Die Inschriften auf kunstgewerblichen Erzeugnissen 
enthalten in der Regel religiöse Formeln, Koranzitate, Lobpreisungen eines 
Fürsten, Segenswünsche für den Besitzer oder dergleichen; andere, immer 
an bescheidener Stelle angebrachte, beziehen sich auf das Werk selbst und 
nennen dann Namen und Herkunft des Handwerkers, das Datum (sehr häufig 
in vollen Lettern) und zuweilen Ort und Zweck der Herstellung. Die Sprache 
ist in den meisten Fällen überall arabisch; auf persischen Denkmälern finden 
sich im Mittelalter nur in der Keramik, in der späteren Zeit auch auf anderen 
Arbeiten außerdem häufig persische Verse. Sehr selten stößt man auf 
türkische Inschriften. 
Das Ornament, das in einzelnen Gegenden schließlich die Schrift voll- 
ständig verdrängt, während es sich in anderen nur zwischen und neben ihr 
ausbreiten kann, zeigt eine ähnlich große Mannigfaltigkeit wie diese. Die 
geometrischen Motive, Strahlen-, Flecht- und Schlingmuster, Bänder, 
Ketten, Rauten und dergleichen haben besonders in Ägypten und Syrien 
reiche Ausbildung erfahren; wir lernen sie am besten aus Bucheinbänden, 
Metallarbeiten und Holzschnitzereien kennen. Gemeingut der ganzen moham- 
medanischen Kunst und ihr reizvollstes Ziermotiv ist die aus der spätantiken 
Blattranke entwickelte Arabeske geworden, über die wir eine vortreffliche 
Monographie in dem Kapitel besitzen, das ihr Riegl in seinen „Stilfragen" 
gewidmet hat. In ihren beiden vollendetsten Formen, der persischen und 
der maurischen, gipfelt die ganze suggestive Schönheit der dekorativen 
Gedankenwelt des Islam. In Persien, Indien und in der Türkei ist dann 
besonders seit dem XVII. Jahrhundert die naturalistische Blatt- und Blüten- 
ranke fast ganz an ihre Stelle getreten, nachdem aus dem Pflanzenreich 
nach und nach schon immer mehr Stoffe in den Darstellungskreis der für 
Vorderasien bestimmten persischen Kunst gelangt waren. In Syrien und 
Ägypten drangen dagegen vegetabile Elemente nur zum Teil durch, und das 
Abendland behielt sogar die Arabeske ausschließlich bei. 
Sehr verschieden verhält es sich mit der Tierdarstellung in den einzelnen 
Perioden und Schulen. Man muß da wohl unterscheiden zwischen dem 
symbolisch und dem „omamenta " aufgefaßten Tier einerseits und dem um 
seiner selbst willen, also mit realistischer Absicht wiedergegebenen andrer- 
seits. Das letztere würde unter das traditionelle Verbot der Darstellung 
lebender Wesen fallen und ist in der Tat in den sunnitischen Ländern sehr 
selten und nur in Perioden religiöser Lauheit angewendet worden. Im 
schiitischen Persien dagegen, wo die Überlieferung nicht anerkannt wird, 
und den Nachbarländern gleichen Bekenntnisses hat man sich nicht darum 
gekümmert und nur bei religiösen Zwecken darauf Rücksicht genommen. In 
Ägypten kommen bezeichnenderweise Tierdarstellungen nur unter den 
Fatimiden vor, die ebenfalls Schiiten waren, und in Mesopotamien und
	        

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