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Full text: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

Rolle und hat natürlich die Phantasie und den Gewerbfleiß immer wieder zur 
Schöpfung neuer Formen und zur Erfindung neuer ornamentaler Ausdrücke 
angeregt, daneben aber auch alte Traditionen außerordentlich zäh bewahrt. 
Von den Denkmälern der sassanidischen Zeit erwähnen wir zunächst 
fünf flache, gegossene Silberschalen mit Reliefdarstellungen aus der kaiser- 
lichen Eremitage in Sankt Petersburg. Die älteste davon, bräunlich oxydiert 
und mit reicher Vergoldung, zeigt die Belagerung einer Burg in primitiver, 
nahezu völlig symmetrischer Auffassung mit interessanten architektonischen 
Details (siehe Abb. 34). Die übrigen enthalten einfachere, in flachem Relief 
herausgeschnittene Szenen mit vergoldetem Hintergrund (Sassanidenfürst 
mit Dienerschaft; Sassanidenfürst auf der Löwenjagd; Tigerin vor einem 
Baum; I-Iirschkuh, von einem Löwen überfallen). Demselben Stil gehören 
zwei Silberarbeiten aus dem Czartoryski-Museum in Krakau an: eine gekerbte, 
massive Opferschale mit menschlichen Figuren in antiken Bewegungs- 
motiven und eine Kassette mit allerlei Fabelwesen in getriebenem Relief. 
Bei den Bronzedenkmälern aus dieser frühen Epoche ist es außer- 
ordentlich schwer, zwischen spätsassanidischen und frühislamischen Erzeug- 
nissen die trennende Grenze zu ziehen. Es handelt sich um Kannen, teils mit ein- 
fachem, teils mit doppeltem Ausguß, um Teller und Schüsseln und endlich um 
Aquamanilen in Tierform. Bei den letzteren ist eine verhältnismäßig späte 
Entstehung mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen; sie dürften meist zwischen 
das VII. und IX. Jahrhundert fallen. Die naturalistische Absicht in den Tier- 
formen (Hahn, Henne, Ente, Pferd, Hund?) ist unver- 
kennbar; sie wurde durch die tiefe Gravierung einzelner 
Details bisweilen noch besonders betont (siehe Abb. 36). 
Die Kannen dagegen sind großenteils früheren Ursprungs; 
zwei von ihnen, Dr. Martin und Professor Sarre gehörig, 
mit glattem, unverziertem Leib, erinnern sogar noch an 
die Antike. In die Blütezeit der Sassanidenkunst dürfte ein 
hervorragendes Stück der Sammlung Polowtzoff zu ver- 
setzen sein, das die doppelte Darstellung eines flötenspie- 
lenden Satyrs mit Ziegenbock zu beiden Seiten einer reich 
entwickelten Palmette und darüber, ebenso symmetrisch, 
zwei Greifen über einer Blattranke zeigt 
(siehe Abb. 35). Ähnlich, aber in mehr hie- 
ratischer Auffassung, sind auf einer wohl 
etwas späteren Kanne des Grafen Bo- 
brinskoy zwei Pfauen im Wappenstil ge- 
genübergestellt. Bisweilen wurde auch der 
ganze Leib von einem großen Blattran- 
kenmuster umzogen (Sammlung Martin). 
Ein großer getriebener Teller aus der Ere- 
mitage in Sankt Petersburg enthält im Mit- 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
' _ _ Abb. 36. Aquamanile, Persien, frühislamisch 
telfeld das Bild eines mit Lanze und Hund (Sammlung Graf Bobrinskoy, st. Petersburg)
	        

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