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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

Mameluken hindurch verfolgen läßt. Im frühen Mittelalter brachte es die 
besten Kristallarbeiten, hervorragende Werke des Metallgusses und eine 
erstaunlich vielseitige Keramik hervor, während später die Tauschierschule 
von Kairo und die I-Iolzschnitzerei seine größten Ruhmestitel bildeten; ebenso 
wird es als ein Zentrum der Koranverzierung gepriesen. Syrien, das anfangs 
mit Mesopotamien, später mit Ägypten politisch verbunden war, hat unter 
den Mamelukenfürsten mit seinen Emailgläsern, seinen Brokatstoffen und 
seinen Metallarbeiten die Bewunderung der christlichen Länder erregt. Von 
dem Kunstgewerbe Spaniens aus der Zeit des Kalifats von Cordova besitzen 
wir leider, abgesehen von Elfenbeinschnitzereien, zu wenig Zeugnisse, um 
seine Bedeutung in vollem Maße würdigen zu können, und auch über die 
späte Granadiner Nachblüte sind wir, ausgenommen die Lüsterkeramik von 
Malaga und einige gute Beispiele derWaffenkunst, nur mangelhaft orientiert. 
Wir können aber aus den Nachwirkungen, die noch unter christlicher Herr- 
schaft so bedeutende Arbeiten wie die Lüsterfayencen von Valencia gezeitigt 
haben, auf die Bedeutung der alten Techniken schließen. Kleinasien, das im 
XIII. Jahrhundert unter den Seldschuken von Konia eine kurze Glanzzeit 
zu verzeichnen hatte, übermittelte der Türkei einen reichen Formenschatz, 
der dann seit dem XVI. Jahrhundert in der sogenannten Rhodoskeramik, den 
Seidenstoffen, Samten und Brokaten, Teppichen und Waffen zu neuer 
Durchbildung gelangte. In Indien endlich fanden etwa von demselben Zeit- 
punkt an unter dem Mäcenat der Mogulkaiser die Miniaturkunst und die Lack- 
malerei neue Wege. 
Aus der Berührung mit der Technik und der Ornamentik orientalischer 
Arbeiten hat auch das Kunstgewerbe der christlichen Länder oft genug 
Anregungen der verschiedensten Art gezogen. Am stärksten sind diese Ein- 
flüsse - abgesehen von Spanien, wo sie sich durch die politischen Ver- 
hältnisse von selbst ergeben - zweifellos in Italien gewesen, das schon 
durch seine engen Handelsverbindungen mit dem Morgenland ständig in 
Kontakt war. Die Einwirkungen kamen in der Regel entweder von Ägypten 
her über Sizilien oder von Syrien über Venedig, seltener von Spanien. Das 
letztere ist zum Beispiel der Fall bei der Lüsterkeramik von Deruta, die 
höchst wahrscheinlich als ein Ableger derjenigen von Valencia zu betrachten 
sein wird. Dagegen sind die ältesten italienischen Fayencen, die von Orvieto, 
mit teilweise orientalischen Motiven in grüner und brauner Bemalung, ver- 
mutlich von Süden gekommen; allerdings fragt es sich, ob sie nicht wie 
die Albarelloform, die wohl schon damals vorkommt, in letzter Linie auf 
Syrien zurückgehen. Den sogenannten sarazenisch-italienischen Stoffen des 
XIII. bis Xvjahrhunderts lagen zunächst meist siculo-arabische Textilien zu- 
grunde, für die sie früher selbst gehalten wurden und zu denen dann syrische 
und andere östliche Muster getreten sein mögen. Im XVII. Jahrhundert 
werden in großem Umfange türkische Samte nachgeahmt. In Venedig ent- 
steht unter dem Einfluß von Damaskus eine bedeutende Glasemailindustrie, 
denselben Ursprung verraten Bucheinbände des XV. und XVI.Jahrhunderts.
	        

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