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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 10)

das Schmelzen der Bodenglasur zu ermöglichen, genügten auch kleine, mit 
drei Warzen versehene Tonscheiben. Für größere Gegenstände verwendete 
man kleine Tonkegel, die beliebig weit auseinandergestellt werden konnten. 
Diese Zwischenlagen hinterließen als Achillesferse die bekannten Glasur- 
narben des Bodens. An Formen fand ich unter anderen konvexe aus Gips für 
Teller mit gekerbtem Rand, wie er ähnlich zum Beispiel von Ansbach und 
Bayreuth bekannt ist. Zu dem I-Iilfsgerät gehört ferner ein „Schäf " mit der 
Aufschrift „Praunstein", das den Stoff für die in der Nürnberger Fabrik be- 
sonders reichlich verwendete Manganfarbe enthielt. Auch der F arbbehälter 
für „Gelb" ist erhalten, sowie eine Büchse mit Resten von Leim, der wahr- 
scheinlich unter das Glasurmehl gemischt wurde. Viele Scherben waren nur 
im ersten Brande gewesen, einige davon, die schon in dem Glasurbottich 
eingetaucht sind, zeigen Spuren von Malerei, die unmittelbar auf die unge- 
brannte feuchte Glasurschicht aufge- 
bracht ist. Eine Reihe von Scherben 
  
Abb. x 
sind als Glasur-, beziehungsweise Farbproben zu betrachten. Zu solchen 
Proben benutzte man gewöhnlich einen Bruchteil eines noch nicht glasierten 
Tellers. An dem Ende, wo er beim Eintauchen in die Glasur angefaßt wurde, 
ist der Scherben immer glasurfrei. Es sind durchweg Blauproben: an der einen 
Seite dick und dünn aufgetragene Querstreifen, an der anderen Seite Linien 
in Kreuzlage. Auf einem Stück steht groß der Buchstabe F. Manchmal hat der 
Maler das Datum aufgeschrieben. So ist eine Probe datiert d. 3. 7 bris l A0 1743, 
eine andere trägt die Inschrift „cum Deo j d 20 May f 182 5". Demnach hat die 
Nürnberger Fayencefabrik, deren Bau in der Karthäusergasse im Jahre 1712 
begonnen wurde (Bayerische Gewerbezeitung 1894, S. 313), über hundert 
jahre an derselben Stelle bestanden und es ist nicht ganz richtig, wenn 
Stockbauer (a. a. O. S. 316) schreibt, daß sie im Jahre 1792 nach dem I-Ialleri- 
sehen Weiherhaus am Dutzendteich, in die sogenannte Weißenau, verlegt 
worden sei. Dort wurde wohl nur eine Zweigniederlassung begründet. Aus 
dieser späten Zeit stammen zahlreiche Scherben jener (von dem Typus der 
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