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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 11)

Uzu 
 
anschauung konnte sich mit solchen Seitensprüngen der geistlichen Herren nie 
so recht befreunden. 
In der Manessischen Liederhandschrift findet sich folgende, diese An- 
schauung zum Ausdruck bringende Stelle: 
„die pfaffen vürsten sint ir wirden teil beroubet, 
vür infel helm, vür krumbe stebe slehte spieze unt scharfiu sper 
vür stolen swert, vür albe ein plat, sint erloubet, 
halsperk, gupfen, collier, barbel sint ir umbler; 
Missachel hin, her wapenrok, hin buoch, her schilte breit! 
umb münches blat ein Krülle, ein krone umb nunen houbet: 
da ümbe sweifet warin hochvart, valschiu heiligkeit." 
Die Geistlichkeit benutzte in alter Zeit mit Vorliebe spitzovale, mandel- 
förmige Siegel (Abb. 28), die bereits im XII. Jahrhundert sehr stark in 
Gebrauch standen. Nur bei den Konvent-, Kapitel- und Konzilsiegeln wurde 
die Kreisform beibehalten. Dieser spitzovale Siegelumriß ist der Gestalt der 
alten Salvatorbilder entlehnt, deren Glorie mandelförmig gebildet war (Man- 
dorla), und dem eine symbolische Bedeutung beigelegt wurde. Christus war, 
wie der Mandelkern sich in der unverletzt bleibenden Schale entwickelt, in 
der Gottesmutter gezeugt, weshalb auch dieser längliche, oben und unten 
zugespitzte Lichtnimbus um die Gestalt Christi oder Marias gelegt wurde. 
Das Oval war anfangs breit und stumpf, in der Zeit der Gotik dem 
Stil gemäß schmal und spitz und eignete sich besonders gut zur Aufnahme 
der Bischofs- oder Abtfigur mit der ebenfalls spitzigen Mitra, unterhalb der 
Figur zur Anbringung eines ebenfalls spitzig zulaufenden dreieckigen 
Wappenschildchens. 
Zu den Insignien der bischöflichen Würde gehören in erster Linie die 
Bischofsrnütze und der Bischofsstab. 
Die Bischofsmütze oder Mitra, nicht ganz richtig auch Inful genannt, war 
ursprünglich eine runde Kappe, die mit einem Stirnbande (corona) versehen 
war, das rückwärts in zwei Enden (Infulae) herabfiel. Später spann sich von 
vorn nach rückwärts über die Kappe ein verziertes Band (Titulus), das diese 
zu beiden Seiten aufbauschte, welche Erhöhungen sich endlich dreieckig 
zuspitzten. Diese Dreiecke (Cornua) verschoben sich zu Beginn des XII. Jahr- 
hunderts um go Grad, so daß 
die Cornua vorn und rück- 
wärts sich aus der Corona, 
jetzt Circulus genannt, erho- 
ben. Ein Zwischenfutter - 
Subductura - verbindet die 
beiden Cornua miteinander 
(Abb. 29). Die Dekoration der 
Mitra mit Stickerei und auf- 
gesetzten Edelsteinen wurde 
 
 
 
   
 
  
 
 
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Abb. 25. Patriarch. Grüner Hut 
rnit beiderseits i5 grünen, _ _ _ _ 
golddurchßochtenen Fiocchi immer reichlicher, die Cornua Abb. m. jerusalemer Kreuz
	        

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