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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 11)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
gewöhnlichen Grenzen hinaus. Wir 
haben fast den ganzen Winter hindurch 
Nacht, wir haben fast den ganzen Som- 
mer hindurch Tag - und dann steht die 
Sonne Tag und Nacht über dem Hori- 
zont. I-last du sie schon in der Nacht 
gesehen? Von den Seenebeln verschlei- 
ert, erscheint sie drei-, ja viermal so groß 
als sonst. Und die Farbenwirkung, die 
sie auf Himmel, Meer und Felsen 
ausübt! Vom stärksten, 
glühendsten Rot bis zum 
feinsten, zartesten Gelb- 
Weiß. Und die Farben 
des Nordlichts am Win- 
terhimmel! Wenn sie 
auch gedämpft sind, so 
ist doch wieder eine so 
wilde Zeichnung darin, 
eine Unruhe, ein ewiger um.........,.„.„„„,_„ 
Wechsel! Und dann die ' ' " - ' Ä 
andern Naturwunder! 
Diese Millionen von Vö- 
gelzügen! . . . " 
Alle diese Motive 
tauchen hier in Land- 
SIFIfaftÜbIIderU _ au}: _ die Abb. 5. Zunfmuhe der Zinngießer in Salzburg. mit gravierten Zinnplalten aus 
Vlslanalhhanuzlnatonsch der Werkstatt des Lorenz Hentz, um 1600 (Sammlung Rudolf Ritter von Gut- 
wirken und dabei ganz mann in Wien) 
naturhaft echt sind. Ri- 
chard Lindström mit seinen „SchärenWStimmungen, seinen Meerfelsen, seinen Übergangs- 
stunden instrumentiert diese Magien in Farben, doch rauschender noch Axel Sjöberg. 
Bei ihm erschimmern die Emaillierungen von Stein und Erde durch die Reflexe des Lichts. 
In weißen Nächten rieselt es und irisiert es wie farbiger Perltau. L'art du feu der Natur 
spielt flammende Sinfonien. Fesselnd ist dabei die Beobachtung der Ausdrucksmittel der 
Technik. Helmer Herzhaft pointilliert, doch nicht mit Punkten, sondern mit Ovalen. Er 
erreicht damit die Wirkung, daß Boden, Fels und Meer wie eine schwelgerische Brokat- 
musterung scheinen. Und solche dekorativ-ornamentale Phänomene farbigen Abglanzes 
tauchen, wenn man auf nordischen Meeren fährt, sehr oft verwirrend auf. 
Karl Nordström rührt seine Farben breiig an und streicht sie breitlächig hin. 
Dadurch bringt er das eigentümlich Ballige von Berg und Felsen, das an Wolken- und 
Nebelbildungen erinnert, ausdrucksvoll zur Erscheinung. 
Die Magien nächtlicher Straßen entdeckt sich Jansson. Laternen im Nebel, wie 
Dotter wabernd, schwanken, und ansteigend schlingen sich ihre Scheine zu einer Girandola. 
Crepuscule-Phantasien sind das. Schlittschuhläufer in der Dämmerung werden zu Inferno- 
Schattenspielen; in den Milles reHets trieft es und glitzert es wie von einer Sternen- 
dämmerung und einer Milchstraßenfeerie. Und die auf und ab wallenden Tiefen des 
Notturno wirken wie vom Ballon aus gesehn . . . 
Und „diese Millionen von Vögelzügen! . . ." Bruno Liljefors ist ihr meisterliche:- 
Beschwörer. Seine Taucher, Wildenten, Wildgänse sind frappant erfaßt, mit scharfem 
jägerblick zur Strecke gebracht und dabei mit dem schwingenden Naturgefühl des Lyrikers 
in ihrem Element erkannt. Graue Hälse und Schachbrettgefieder wiegen sich in blaugrünem
	        

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