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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 12)

Hans Temple bringt außer einer 
Anzahl seiner Porträte als Ergebnis 
eines sommerlichen Aufenthalts in 
Holland vollsaftige Schildereien aus 
den Stuben der Fischer; Georg 
Holub gibt seine Landschaften aus 
den Julischen Alpen in bedächtig 
schlichter Naturtreue. Die meisten 
MitgliederdesKünstlerhauseshaben 
sich, wie schon eingangs bemerkt, 
mit Studien oder mit Wiederho- 
lungen der ihnen geläuiigen Motive 
begnügt; es erübrigt sich, den Bild- 
nissen von Adams, Krauß, Scharf 
und anderen mehr, so tüchtig sie 
sind, dies oder jenes vorzurücken 
und, wenn sie salopp werden, 
Angeli ihnen als nachahmenswertes 
Beispiel zu nennen; ein Kaiser- 
porträt von Paul joanowitch ver- 
dient den Ehrenplatz schon durch 
die nachdrücklich charakterisierende 
Pinselführung, L. Kochs Kavalkade 
junger Erzherzoge hat den richtigen 
Rotten Zug, eine Kohlenzeichnung 
von Olga Prager ("Sitzung des 
Täschchen, entworfen von Tella Jacobson, ausgeführt von der 
VV' ' ' ' h - 
w"? medlzlnlPc enpi-ofessoren I. Wiener Produktivgenossenschaft der Absolventinnen der k. k. 
kollegiums") bleibt wenigstens der Kunstsdckereischulen 
Porträtähnlichkeit nichts schuldig. 
Figuralisten: Larwin holt sich jetzt bei den Zigeunern seine Modelle, Epstein, wie immer 
anziehend, bleibt in „Nachteffektei-i" seinem Burano treu, Sterrer altertümelt in der Art 
des Hans Thoma, Haßmann kehrt aus Amerika zurück, wo er seine Originalität, die er 
vor Jahren im „Hagenbund" bekundete, eingebüßt zu haben scheint. jungwirth hat sich 
diesmal zu den Landschaftern gesellt, unter denen Filkuka seit seinem Debüt im Vorjahre 
sich fortgeschritten zeigt. Die Bildhauer beschränken sich auf Büsten und Kleinplastik, 
landläufig korrekt. Einen erfreulichen Zuwachs hat die Graphik durch die Blätter von Luigi 
Bonazza und Otto Trauner erfahren; Altmeister Unger gibt Nachricht von sich mit einer 
farbigen Radierung nach Perugino. 
 
DVVIG MICHALEK. Abseitig, ohne ein Sonderling oder irgendwie ein Verächter 
des Herkömmlichen zu sein, will Ludwig Michalek kaum je mehr etwas davon wissen, 
sich an großen Ausstellungen zu beteiligen. Immerhin fühlt er von Zeit zu Zeit sich gemahnt, 
vor der Öffentlichkeit darüber Rechenschaft abzulegen, wie er mit dem ihm verliehenen 
Pfunde gewuchert. So gibt er denn in der Galerie Miethke eine ausführliche Übersicht 
seiner Tätigkeit als Radierer und als Maler. Das Grenzgebiet, die farbige Radierung, scheint 
er gegenwärtig - denn die ausgestellten schönen Blätter datieren um mehrere Jahre 
zurück - hintanzusetzen, zugunsten der absoluten Schwarzweißkunst, und hier wiederum 
sehen wir ihn oft nach der „kalten Nadel" greifen, mit der an Ort und Stelle die „Mineure 
im Tauerntunnel" auf die Kupferplatte gebracht wurden. Nicht minder unmittelbar wirkt 
die große Radierung der „Bohrung im Tauerntunnel", ungeachtet der allen Einzelheiten 
nachgehenden Vorstudien. Nicht vergessen seien die Versuche mit dem Silberstift, zu dessen 
Fürsprech, nicht bloß aus antiquarischen Gründen, Direktor Meder geworden ist, und die
	        

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