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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 1)

Wandfiächen der Schleifer oder Trempler herzustellen hatte. Allerdings gab 
es auch Kugler, die sämtliche am Glas vorzunehmenden Schleifarbeiten 
verrichten konnten. Das Kuglerwerkzeug bestand aus einer vertikal gestellten 
schmiedeeisernen Schleifscheibe - das Rad genannt - mit vier Speichen. 
Der Arbeiter saß auf hohem Stuhl ohne Lehne und hielt das Glas, auf dem 
das Muster mit gefärbtem Lack vorgezeichnet oder punktiert war, an den 
untersten Rand der rotierenden Scheibe. Er mußte, da der stets aus dem 
Trichter auf Rad und Glas tropfendeBrei aus Kiessand die Schleifstelle 
deckte, den Fortgang seiner Arbeit mehr vermuten als er ihn erkennen 
konnte. Ein häufiges Abspülen des Glases war 
daher notwendig. 
Zum Gravieren oder Glasschneiden wurde 
das primitive hölzerne Kuglerzeug durch ein 
gabelförrniges Bronzestück ersetzt. An die 
Stelle des großen eisernen Schleifrades traten 
kleine Kupferscheiben und an die Stelle des 
Schleifsandes ein mit Olivenöl angerührter 
Schmirgel. Das zu verfeinernde Glas wurde 
an das rotierende Rädchen gehalten und nun 
je nach Verschiebung des Glases parallel zur 
Drehachse der Scheibe oder in der Richtung 
einer Tangente mulden-, faden- oder nur punkt- 
förmige Aushöhlungen verschiedener Tiefe 
hervorgerufen. Die durch den Schmirgel matt 
geriebenen Stellen konnten mit einem Rädchen 
aus Holz oder Bein, dem ein Poliermittel auf- 
gestrichen wurde, glatt gerieben oder poliert 
werden. Es gab Graveure, die tief konkave 
iigurale Darstellungen, welche von Künstlern 
in großer Ausführung modelliert oder auch nur Abb-Wg Gälhgs Übemfßglas "f; Ansim 
in Zeichnung entworfen wurden, in kleinem er C wagkn nächst?!" a 
Maßstabe mit zartester Feinheit und bewundernswerter perspektivischer und 
formaler Richtigkeit und Klarheit der Ausführung herausarbeiten konnten. 
Ein solcher Künstler war unter vielen anderen, bereits früher angeführten 
Graveuren Franz Anton Pelikan in Meistersdorf bei Steinschönau. Er galt 
in den zwanziger und dreißiger Jahren als der tüchtigste Glasschneider des 
Bezirkes und wird hier speziell genannt, weil ihm für seine Verdienste 
gelegentlich der Gewerbeausstellung im Jahre 1831 die silberne Medaille 
zuerkannt wurde. 
Hinsichtlich der Wahl der Darstellungen hielten sich die Graveure und 
Glasschneider des Industriebezirkes stark an die von ihren Vorfahren im 
XVIII. Jahrhundert bevorzugten Vorwürfe. Von Interesse wird daher hier 
die Wiedergabe eines Berichtes sein, den Oberhauptmann Leb von Lieben- 
haus im Juni des Jahres 1704 dem Fürsten Schwarzenberg erstattete. Es 
 
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