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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 4)

Dieser und einer der von Herrn Clark geliehenen Teppiche zeigen ähn- 
liche Merkmale hohen Alters. 
Herr Widener hatte einen sogenannten Polen-Teppich ausgestellt, 
der zu den größten dieser Art gehört, die überhaupt existieren (Abb. 6). 
Die Länge beträgt dreizehn Fuß, zweieinhalb Zoll, die Breite fünf Fuß und 
achteinhalb Zoll. Er kann nur mit dem verglichen werden, der sich im 
Rozenburger Schloß in Dänemark befindet. Dieser Teppich war im Jahre 
1639 dem dänischen Hof geschenkt worden. Auch Herrn Wideners Teppich 
ist offenbar in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts in der kaiserlich 
persischen Manufaktur hergestellt worden. Er ist sehr gut erhalten und be- 
sonders schön durch die helle Farbenharmonie. Die Grundfarbe ist bräunlich. 
Die Hauptfarben des Dekors sind Orange, Gelb, Hell- und Dunkelblau. Große 
Blumen sind mit Spiralen und Arabesken verbunden. Sie sind auf Silber- 
und Goldgrund gearbeitet. In der Mitte sind vier Palmetten, die ein langes 
oblonges Ornament umschließen. Über den ganzen Grund sind chinesische 
„Tschi" als Dekor verstreut. 
Die Bordüre besteht aus Blumen und Blättern in Blau und Rosa auf 
orange- und smaragdgrünem Grund. 
Die Farbenzusammenstellung aller dieser sogenannten polnischen 
Seidenteppiche ist von außerordentlichem Reiz. Hellblau, ein frisches Grün, 
Orange und Braun kommen am häufigsten vor. Von verschiedenen Seiten 
gesehen, wechseln die Farbentöne. Deshalb wurden diese Teppiche alle etwa 
zwei Fuß über dem Boden auf vertikalen Gestellen untergebracht; so 
wirkten sie am besten. Alle sind sehr gut erhalten und ganz frisch in den 
Farben. 
Auch von sogenannten Ispahan-Teppichen, die aber eigentlich aus 
Herat stammen, waren sehr schöne Exemplare in der Ausstellung. Diese 
Teppiche sind in den amerikanischen Sammlungen gut vertreten. Das 
typische Muster dieser Teppiche besteht aus großen Palmetten oder Blumen 
und langen Blättern, die Kurven bilden und oft durch Wolkenbänder ver- 
bunden werden. Die ausgestellten, sehr schönen Ispahan-Teppiche waren 
vom Senator Clark geliehen. Der älteste, der aus der Mitte des XVI. Jahr- 
hunderts stammt, ist ein über sechsundzwanzig Fuß langer Teppich. Er hat 
ein prachtvolles Bandmuster, das durch den roten Mittelgrund zieht. Die 
Arabesken sind in Dunkelblau mit weißen und hellblauen Rändern gehalten; 
sie bilden Medaillons und andere Formen. Damit wechseln Blätter und 
Blumen in Grün und Gelb. Die Bordüre bilden Palmetten in Gelb, Grün und 
Blau, durch rote Arabesken auf dunkelgrünem Grund getrennt. Das innere 
Band zeigt wellenförmiges Blumenmuster auf gelbem Grund, das äußere 
Band schmale Palmetten, die mit Blättern auf rotem Grund abwechseln. 
Kaum älter ist ein anderer ungewöhnlicher Teppich, der mit 
Silberfäden durchzogen ist. Er zeigt sehr dunkle Tönung, ähnlich den 
nordpersischen Teppichen aus der Zeit von Schah Tamasp. Der Grund ist 
weinrot. Darauf sind Palmetten und Blumen zu sehen, die durch schlanke
	        

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