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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 4)

und gelber Glasur bis 
auf den heutigen Tag 
beibehalten haben. Die 
übrige uns bekannte 
volkstümliche Keramik 
hat dagegen auf dem 
Felde der Farbe jene 
Wandlungen mitge- 
macht, die sich in der 
Barocke im gänzlichen 
Verzicht auf die grünen 
Töne und in der Vor- 
liebe für ein tiefes Blau, 
imRokokoinderNeben- 
einanderstellung zarter 
roter und grüner Töne 
(Fayencenvonwischau Altes Farmhaus in Kanada (Blockbau) 
und Stampfen) oder in 
feiner Zeichnung der dargestellten Figuren (Bauernkeramiken der nieder- 
österreichisch-ungarischen Sprachgrenze) äußern. Überall aber - und das 
ist eines der interessantesten Ergebnisse aus dem aufgesammelten Material g 
sind, vielleicht mit Ausnahme von Ostgalizien und den südlichst gelegenen 
Kronländern, deutsche Handwerker die Gründer der keramischen Betriebe, 
waren ihre Pfleger bis zu deren höchsten künstlerischen Entwicklung und haben 
in nichtdeutschen Ländern das Handwerk in die Hände bodenständiger Bevöl- 
kerung erst dann gelegt, als die Konkurrenz des Porzellans einer weiteren Ent- 
faltung entgegentrat. Die Glas-, Holz- und Metallarbeiten, weiters die Erzeug- 
nisse aus anderem Material nehmen den zweiten der Tafelbände in Anspruch. 
Wir nennen hier nur die Brautkronen und Hochzeitsbuschen aus den Alpen- 
ländern und dem Böhmerwalde, reizende Filigranarbeiten, die hinsichtlich des 
entwickelten Schönheitsmomentes an das Kunstgewerbe heranreichen ; weiters 
die gefärbten Ostereier aus den Sudetenländern mit ihrem großen Schatz an 
Motiven des Flächenornamentes. Auch für den weitaus größten Teil der in 
diesem Band geschilderten Arbeiten ist der Beweis echter volkstümlicher 
Kunst erbracht. Die Herstellung war nicht Sonderrecht einzelner geschulter 
Handwerker, sondern Gemeingut der Bewohner ganzer Ortschaften, ja ganzer 
Völkerstämme, bei denen sich schon in der Jugend ein bestimmter Grad von 
Handfertigkeit und ein gesunder Schönheitsbegriff entwickelte. Das Werk ist 
mit seltener Hingabe für eine Sache geschrieben, die angesichts der heutigen, 
schädlichen, Moral und Kunstanschauung zersetzenden Einflüsse die größte 
Beachtung und möglichste Unterstützung von seiten derBevölkerung und auch 
von seiten des Staates fordert. Beim Lesen des Textes erfreut uns der eigene 
Reiz des Stils. Er läßt erkennen, daß der Verfasser auch mit dem Herzen 
jenen nahesteht, deren Kunstschaffen er wissenschaftlich ergründet hat. 
 
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