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Objekt: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 71)

ERNST KÖLLER 
Salzburg und die Galerie Welz 
 
Er ist der Schrecken jeder langsam denkenden, schwerfällig handelnden und 
phantasiearmen Bürokratie, 
Er liebt Salzburg wie kein zweiter und kämpft ein Leben lang um diese Stadt, 
um ihre Rettung vor heillosem Absinken ins Provinzlerische. Opporlunistische, 
Allzuglatte. 
Er wird von vielen Exponenten dessen. was sich in Salzburg gelegentlich als .,Kultur- 
leben" bezeichnet, gehaßt wie kein anderer. 
Er hat eben, genauer gesagt bei der Eröffnung der großen Hrdlicka-Ausstellung 
im vergangenen Sommer. vor aller Öffentlichkeit darauf verzichtet, noch etwas 
für Salzburg zu tun, für jene Stadt. die oft genug mehr als weit davon entfernt war. 
seine kühnen, hochfliegenden Pläne zu begreifen. die mehr als einmal auch nicht 
einen Finger rührte, um ihm bei der Durchsetzung und Verwirklichung seiner 
Ideen ideell und materiell zu helfen. die sich scheinbar noch immer nicht der Tat- 
sache bewußt ist, daß sie ohne ihn - zumindest was die bildende Kunst in ihrer 
lebendigen Gegenwartsform anbelangt - ein Dorf wäre, das dem. was auf dem 
Sektor der Festspiele geschieht. auch nicht annähernd etwas Gleichwertiges ent- 
gegenzusetzen hätte. 
Wir können nur hoffen. daß Stadt und Land Salzburg alles unternehmen werden. 
um zu ihm. dem Unbequemen. Unkonventionellen. eine neue. ja vielleicht sogar 
die erste echte Brücke zu schlagen. 
Wir sprechen von Friedrich Welz. der vor 60 Jahren. am 2. November 1903. als 
Sohn eines Rahmentischters und Vergolders in Salzburg geboren wurde, das 
Handwerk seines Vaters erlernte. die Meisterprüfung ablegte, sich auf zahlreichen 
Reisen. die ihn kreuz und quer durch Europa van Irland bis in die Türkei führten, 
sein kunsthistorisches Wissen erwarb und im Jahre 1934. also vor drei Jahrzehnten, 
den ererbten väterlichen Betrieb in eine Galerie umwandelte. 
Seit damals organisierte Welz. eine der dynamischesten, lebendigsten und initia- 
tivsten Persönlichkeiten. die man sich nur denken kann, über 300 Ausstellungen. 
die er nicht nur in den eigenen Räumen. sondern auch im ln- und Ausland zeigte. 
Österreichische Künstler waren es. die zunächst auf seinem Programm standen - 
Klimt, Kokaschka. Schiele, Gerstl, Kubin.Thöny. Faistauer, Kolig, Wiegele, Wotruba, 
Dobrowsky. Steinhart, Mahringer. Vilma Eckl, Moldavan, Hofmcinn. Wickenburg, 
Frankl und viele andere mehr. Bald wurde das Ausstellungsprogramm durch die 
Heranziehung von Werken ausländischer Künstler erweitert; durch Welz lernte 
Salzburg Chagall, Picasso. Braque, Rouault, Henry Moore, Emilia Greco. Giacoma 
Manzü, Marine Marini. Renato Guttuso. de Chirico. Sironi. Marondi. de Pisis, 
Campigli. aber auch Max Beckmann, E. L. Kirchner, Lyanel Feininger. Lovis 
Carinth und Max Liebermann kennen. Das Wissen um all diese Persönlichkeiten 
zählt heute in Salzburg zur Selbstverständlichkeit und nur allzu leicht wird ver- 
gessen, daß es Friedrich Welz war, der hier ein wichtiges Tor zur Welt aufstieß. 
Aber Welz ging noch weiter; es gelang ihm. das Werk bedeutender Künstler der 
Gegenwart über die Grenzen Österreichs hinaus ins gesamte deutsche Sprachgebiet 
und in viele andere europäische Länder zu tragen: so machte er in den Jahren 
1954155 nicht nur Salzburg. sondern auch Köln und Hamburg, Utrecht und Amster- 
dam mit dem Werke Giacomo Manzifs bekannt. 1956 brachte er Kokoschkas 
Werke aus tschechischem Besitz nach Salzburg und Wien. ein Jahr später zeigte 
er in Stuttgart anläßlich der Österreich-Woche die .,Klassiker der österreichischen 
modernen Kunst" von Klimt bis Wotruba. Dali im Jahre 1958 die bisher größte 
Ausstellung von Werken Kokoschkas in Wien, München und Den Haag gezeigt 
werden kannte, ist ausschließlich seiner Initiative und seinem Einsatz zu danken. 
Wiederum ein Jahr später tat er für Emilio Greco. was er bereits für Manzü voll- 
bracht hatte. indem er eine repräsentative Ausstellung von Werken dieses wichtigen 
italienischen Bildhauers nach Salzburg und Wien sowie spälerhin in eine ganze 
Reihe von deutschen Städten brachte. Der Greca-Taurnee schloß sich eine Manzü- 
Tournee an, die München. Frankfurt. Berlin, Helsinki. London und zum Schluß 
Salzburg erfaßte. 
Salzburg hat, seit es Welz gibt. einen vorzüglichen Namen als Stätte künstlerisch 
hochbedeutsamer Großausstellungen: 1939 eröffnete Welz den Reigen mit einer 
Schau auf ,.Salzburg und das Salzkammergut" in den eigenen Galerierüumen. 
1940 brachte er das Werk des damals von ihm wiederentdecklen Alt-Wiener 
Genremalers Michael Neder heraus und veranstaltete zum 100. Todestag des 
Meisters eine umfassende Makart-Ausstellung im Carabinierisaal der Salzburger 
Residenz, der 1942 eine repräsentative Ausstellung französischer Malerei und 
Plastik des 19. Jahrhunderts in den damaligen eigenen Galerieräumen in der 
Schwarzstraüe folgte. 1949 organisierte Welz eine bedeutsame Kubin-Ausstellung. 
in der. neben etwa hundert Zeichnungen und aquarellierten Blättern. zum erstenmal 
etwa fünfzig der bis dahin so gut wie unbekannten Tempera-Malereien aus den 
Jahren 1905 bis 1908 gezeigt wurden. 1950 stellte er ,.Meisterwerke der öster- 
reichischen Kunst des 20. Jahrhunderts" im Salzburger Künstlerhaus vor. 1952 
gab es in den eigenen Räumen eine hochbedeutsame Ausstellung von Ölgemälden. 
Handzeichnungen und Graphiken von Max Beckmann. 1953 folgte die unvergessene 
Waldmülier-Aussteliung in den Räumen der Residenzgalerie; gerade bei dieser 
Veranstaltung. die unter allerungünstigsten Auspizien und katastrophalen Be- 
gleiterscheinungen zustande kam. bewies Welz seine Unerschrockenheit, Stand- 
festigkeit und Energie. Im Sommer 1957 fand in den Räumen der Galerie Welz 
eine hochbedeutsame Ausstellung van Werken Marc Chagalls stall, die 264 Katalog- 
nummern umfaßle. Kernstück dieser Ausstellung waren 67 Zeichnungen und 
Gouachen zum Ballett ,.Aleko". welche das ,.Museum of modern Art" in New York 
beistellte, Diese Ausstellung war von Welz als Anregung für die Gewinnung Chagalls 
als Bühnenbildner für die Salzburger Festspiele gedacht. Die wichtigen Ausstellungen 
der Jahre 1960 bis 1962, die Peter Marcasiano, Gerhart Frankl und Renato Guttuso 
gewidmet waren. können hier nur am Rande erwähnt werden. 

	        

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