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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 4)

Es trat die Mode an Stelle des Stils. Natürlich eine gewisse Folgerichtigkeit 
hat ja auch die Mode: die Konsequenz des Wechsels. 
Eine solche Entwicklung des Stils zur Mode ist für gewisse Zeiten eine 
ebenso naturnotwendige Erscheinung wie jede andere Entwicklung; diese 
Tatsache und die Bedeutung der Mode, der reinen Neuerungssucht, aus der 
Betrachtung der Geschichte auszuschalten, wäre ebenso unwissenschaftlich, 
wie etwa die Bedeutung der Individualität, der Massenempfindung oder des 
Ungewollten zu leugnen. 
So verworren, ja unerfreulich eine solche Periode auf den ersten Blick 
auch erscheinen mag, da ihr der schöne, gerade Zug der F ortentwicklung 
fehlt, so ist doch auch eine solche Zeit künstlerisch nicht wertlos. Und was 
schon die wenigen Abbildungen hier zeigen können: durch das ungeheuer 
gesteigerte Bedürfnis nach Neuem, nach Wechsel, wurde eine solche Fülle 
verschiedenartiger Formen geschaffen, wie sie eine ruhig in bestimmter 
Richtung vorstrebende Zeit kaum hervorzurufen vermöchte. Auch mag das 
vollkommene Auflösen der alten Überlieferung, dieses Hin- und Herwerfen 
ihrer Erfahrungen wesentlich mit dazu beigetragen haben, den Geist von der 
fast erdrückenden Größe jahrhundertlanger Überlieferung zu befreien und 
die Möglichkeit neuer Entwicklungen zu eröffnen. Gerade dies erscheint uns 
besonders wichtig, und wir wollen uns darum erlauben, es an einzelnen 
herausgegriffenen Beispielen 
zu zeigen. 
Nur möge hier eine Be- 
merkung vorausgeschickt sein, 
ohne deren Erkenntnis wir 
weder diesen kunstgewerb- 
lichen Erzeugnissen noch der 
ganzen Zeit ihrer Entstehung 
gerecht werden können. Schon 
die ersten Betrachter der etwa 
vor dreißig Jahren aufgefunde- 
nen Arbeiten, die uns hier be- 
schäftigen, hatten die Empfin- 
dung, daß es sich .mehr um 
Schöpfungen der Volkskunst 
als um solche des verfeinerten 
Gewerbes handle. Riegl konnte 
sich dieser Ansicht allerdings 
nicht recht anschließen und 
von seinem Standpunkte aus 
wohl mit Recht; wenn wir 
aber heute, wo uns inzwischen 
mehr in Seide ausgeführte 
Einsatz eines spätantiken Gewandes, Kopf in farbiger Wolle auf 
_ gelbem Grunde, Ornament: braune Wolle mit weißem Leinen- 
Textilarbeiten derselben Peri- faden. Über w, a" natürlichen Größe 

	        

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