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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 4)

erscheinen. Hier jedoch liegt nicht Vereinfachung und Kräftigung vor, 
sondern mehr mangelhafte Nachahmung und Unkönnen. 
Es war eben in gewissem Sinne das Verhängnis der späten Antike, 
daß die so ungeheuer entwickelte griechische und später griechisch-römische 
Kunst alles Ältere, was noch an Volkskunst vorhanden war, auf weiten Ge- 
bieten einfach vernichtet hat, so daß sich höchstens an den Grenzen des 
ungeheuren Kulturgebietes, so in Mesopotamien, in Ägypten und sonst im 
Umkreise, einiges Selbständige erhalten hat. Im übrigen war alles in einer 
mehr oder weniger allgemeinen Weltkunst untergegangen, in der dann das 
wenige lebendig gebliebene, künstlerisch Nationale als minder abgebraucht 
wieder gierig erfaßt, bald zur Weltmode wurde und so in das allgemeine 
Chaos mit einfloß. 
Erst mit der Zertrümmerung des Weltreiches und des noch länger beste- 
henden Welthandelsgebietes konnte sich aus diesem Chaos durch Hervor- 
heben gewisser Seiten und Richtungen der Kunst Neues von wirklich indivi- 
duellem Leben entwickeln. 
Das Bemerkenswerte ist nun aber, zu sehen, wie sich zu aller Weiter- 
entwicklung schon in den erwähnten Zeiten die Ansätze finden, so wie wir 
heute zum Beispiele schon in syrischen Kirchen des VI. Jahrhunderts Ver- 
gleichspunkte mit hochentwickelten romanischen Bauten oder mit mu- 
hammedanischen Werken kennen gelernt haben. 
Die meisten erhaltenen Stücke, die uns hier beschäftigen, sind Einsätze 
von Kleidungen, allenfalls von Vorhängen und Behängen. Wie diese Einsätze 
angebracht waren, kann 
uns am besten die Dar- 
stellung des Gewandes 
auf Seite 240 zeigen. 
Wir sehen hier, wie wir 
uns auszudrücken pfle- 
gen, die Ornamentie- 
rung noch in tektoni- 
scher Verwendung, das 
heißt an den Stellen, die 
durch den Organismus 
der Kleidung oder des 
darunterliegendenKör- 
pers als besonders 
wichtig herausgehoben 
werden sollen, so etwa 
die Umsäumung der 
Ärmel, die Stelle, wo 
der Arm an den Leib 
ansetzt, die unteren 
 
Einsatz eines spälantiken Gewandes. Farbige, hauptsächlich dunkelviolette 
Wolle und weißer Leinenfaden. 11'; der natürlichen Größe ECKCD dCS SCiÜiCh ge-
	        

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