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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 4)

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entwickelt erscheinen, als Haupt- 
typus germanischer Kunstübung 
hinstellen will; gerade Irland war 
inderVölkerwanderungszeitwohl 
am wenigsten, vielleicht gar nicht, 
von Germanen betreten worden. 
Gerade in Irland erhielten sich 
die Kulturreste eines in den 
äußeren Formen rornanisierten 
Volkes vielleicht am meisten un- 
berührt. Darin besteht ja gerade 
die Bedeutung Irlands in den 
Jahrhunderten nach der Völker- 
wanderung, daß diese an der 
Insel zunächst ziemlich spurlos 
vorübergebraust ist und es nur 
für einige Zeit gewissermaßen ab- 
geschnitten hat. Eine ursprüng- 
lich in größerem Zusammen- 
hange entwickelte, dann aber 
losgerissene, Kultur zeitigt wohl 
immer die einseitigsten Ergeb- 
nisse; man begreift jedoch nicht, 
wie im keltischen und roma- 
nisierten Irland, das heute noch 
recht ungerrnanisch ist, gerade 
ein Hauptsitz germanischer Kunst 
gewesen sein soll. Wir wollen 
ältere nordische (keltische?) 
Nachwirkungen nicht leugnen; 
vor allem scheint es sich aber 
um keltisch rückgebildete antike 
Anregungen zu handeln. Man 
verzeihe uns diese scheinbare 
Eiinsatz einesspätandkenGewandesoderBehangemDunkel- Abschweifung, aber sie berührt 
violette Wolle und  Etwas über H5 der eine kunstgeschichtlich wichtige 
und über den Einzelfall hinaus- 
gehende Frage und zeigt die Bedeutung unserer Stücke recht augenfällig. 
Andere Arbeiten unserer Sammlung zeigen schon eine so feine Durch- 
bildung der geometrischen Ornamente und das gewisse absatzweise erfol- 
gende Wechseln der Motive, wie wir sie zum Beispiel an rheinischen 
Schmelzarbeiten aus romanischer Zeit oder von späteren orientalischen 
Arbeiten her gewohnt sind; man vergleiche hierzu besonders die 
eben erschienene Schrift Otto von Falkes über den Kölner Dreikönigs-
	        

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