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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

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stimmte Aufgabe ferner, für die bändereichen Publicationen der Union 
centrale, Decorationen mit Plattendruck. Auch an diese Bedingungen 
scheint sich fast Niemand gekehrt zu haben, das allermeiste ist auf kost- 
spielige Handarbeit berechnet. Ueberdies begegnen 'wir allerlei Sonder- 
barkeiten. Außer der ebenerwähnten waren noch die zwei Aufgaben ge- 
geben: Einband für ein classiscbes Werk, Einband für einen Band des 
Romans Salammbo von Flaubert. Da hat den ersten Preis ein Entwurf 
für Horaz erhalten: an einer mit Vasenornamenten bemalten Mauer ist 
eine Lyra aufgehängt, darüber ragen naturalistisch behandelte Baum- 
kronen. Les Oiseaux von Theuriet: auf drei Stangen übereinander hocken 
zwanzig oder mehr schwarze Vögel mit nimbusartigen Federkronen, im 
Hintergrundc Mond, Sterne und Wolken in Gold, Leisten und Rücken 
mit naturalistischen Pflanzen, alle Theile in verschiedenen Größenver- 
hältnissen. Für Salammbo sind ägyptische Motive in allen erdenklichen 
Verquickungen mit japanischen, mit gothischen Bändern etc. etc. auf- 
geboten worden. Die Revue des arts decoratifs glaubte ein Bewerber am 
besten zu charakterisiren durch drei Pfauen, die bei Mondschein über 
eine Anhöhe mit stilisirten Kleeblättern hinziehen, darunter fünf gleiche 
Riesenschmetterlinge u. s. w. Dieselben Aufgaben waren auch für Schüler 
ausgeschrieben, die sich zumeist in eben solchen Richtungen, nur schüch- 
ferner, bewegen. Es wird kaum Zufall sein, dass mehrere Schülerinnen 
ein vollständiges Feuerwerk mit Raketen, Garben, Rädern etc. auf Buch- 
deckel übertragen wollen. 
Begreiflicherweise ist es den Mitgliedern des Preisgerichtes nicht 
leicht geworden, Auswahl zu treffen. Die Kritik kommt in dem Berichte 
zu Worte, doch hat man sich in der Regel zu Concessionen herbei- 
gelassen, "um aufzumunternu. Es ist nur zu befürchten, dass die Mehr- 
zahl der Prämiirten sich zum Fortschreiten auf der betretenen Bahn auf- 
gernuntert fühlen und die Kritik ignoriren werde! B. 
Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit 
demselben verbundenen Institute. 
S6. MaJestät der Kaiser erschienen am 19. v. M. um x Uhr 
Nachmittags, begleitet vom Flügeladjutanten Major Tengler, in der gra- 
phischen Ausstellung der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst im 
k. k. Oesterr. Museum. Se. Majestät wurden von dem Vice-Director des 
Museums, Regierungsrath Bucher, dem Vorstand: der genannten Gev 
sellschaft Freiherrn von Wieser, Herrenhausmitglied Nicolaus Du mb a, 
den Professoren Hecht, Sonnenleiter und Unger, Dr. Leisching 
und Kunsthändler Artaria ehrerbietigst empfangen. Se. Majestät be- 
sichtigten mit eingehendem Interesse die ausgestellten Kunstblätter und 
ließen sich die anwesenden Künstler vorstellen. Nach nahezu einslündigem 
Rundgange verließen Se. Majestät mit dem Ausdrucke Allerhöchster An- 
erkennung das Museum.
	        

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