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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 5)

 
In Oberösterreich, mitten im Kremstal auf 
einer Anhöhe liegt das Benediktinerstift Krems- 
münster - Monasterium Cremifanense (Mon. Chre- 
misa, Mon. S. Salvatoris, Mon. S. Agapiti) - das 
von dem bayrischen Herzog Tassilo II., dem 
Letzten derAgiloliinger, imjahre 777 gegründet und 
von Benediktinermönchen aus dem Kloster Nieder- 
alteich in Bayern unter dem ersten Abte Fatericus 
besiedelt worden war. 
Die Gründungssage erzählt, daß Gunther, ein 
angeblicher Sohn Tassilos, mit diesem einstmals auf 
der Jagd gewesen und von einem Eber tödlich 
verwundet worden sei, worauf der Herzog an der 
Unglücksstelle ein Kloster gegründet habe. Der 
verwundete Eber und der Bracke im Schilde des Wappens von Kremsmünster 
finden in dieser Geschichte ihre Begründung. Für das Erscheinen der Figur 
eines Ochsen im Stiftswappen gibt es verschiedene Erklärungen. Einige 
beziehen den Ochsen auf die an jedem n. Dezember, dem Todestage des 
Stifters, zur Verteilung gelangende Fleischspende, andere sehen darin eine 
symbolische Darstellung der friedlichen Kultur, gegenüber der vor der Kloster- 
gründung dort vorhandenen Wildnis, die durch das Bild eines Wildschweines 
versinnlicht werden soll, wieder andere vermuten in der Figur des Ochsen 
einfach das Wappenbild irgendeiner Guttäterfamilie des Stiftes, deren Name 
aber nicht mehr zu eruieren ist. 
Herzog Tassilo bedachte seine Stiftung so reichlich mit Ländereien, 
daß sie dem Besitze nach fast einem Fürstentum gleich kam. Die Stifts- 
güter lagen zumeist im Traungau, doch auch im Donaugau und an anderen 
Orten erhielt das Stift ausgedehnte Besitzungen, so daß es eine große, 
angesehene Rolle im Lande spielen konnte. 
Papst Hadrian I. bestätigte 781 die Stiftung und schenkte dem Kloster 
die Reliquien des heiligen Märtyrers Agapitus von Präneste. Kaiser Karl 
der Große bestätigte im Jahre 791 zu Worms ebenfalls die Stiftung des 
Herzogs und als dieser im Jahre 794 gestorben war, erfolgte vom Kaiser 
Karl dem Großen im jahre 802 noch eine Erweiterung 
des klösterlichen Besitzstandes. 
Durch die wiederholten Einfälle der Magyaren ging 
aber alles verloren, die Kulturstätten verwandelten sich 
in Ruinen und Wüsteneien, die Religiosen flüchteten 
nach allen Seiten und kehrten erst zurück, als dieMagya- 
ren endgültig das Land verlassen hatten, doch blieb 
vieles für das Kloster für immer verloren. 
Abt Heinrich von Playn (1230-1247) erhielt für 
seine Person allein am 29. August 1245 das Recht, die 
Abb. 8. Kleines Wappen des Stiftes 
Schlägl 
_ _ _ __ Abb. g. Siegel Calbohus III. 
Mitra zu tragen. Papst Bomfazius IX. gewahrte dann von Falkenstein (+1159) 

	        

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