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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 6 und 7)

Zu den kostbarsten Stücken unter den Silbersachen gehört die Früh- 
renaissancekanne, Figur 60, die aus Filigran aufgebaut und innen mit einem 
zylindrischen Glase versehen ist. Der Kinderfries, der das Ziergefäß oben und 
unten abschließt und ganz ebenso auf einem Trinkgeschirr in derPetersburger 
Eremitage vorkommt, geht auf Flötner zurück, dem eine ähnliche Kom- 
position im Germ. Mus., unsere Figur 58, allgemein zugeschrieben wird. In 
weiterem Umkreise die Be- 
liebtheit des Motives be- 
weisend, schließt sich auch 
eine andere Buchsschnitzerei 
der ehemaligen Sammlung 
Spitzer, unsere Figur 59, hier 
an. Die elegante Sirene über 
dem Griff, der groteske Narr 
auf dem Deckel verraten, 
daß auch hier ein hervor- 
ragender Künstler dem aus- 
führenden Meister Modelle geliefert hat; sie beweisen aber auch, daß der Gold- 
schmied der Aufgabe, mit diesem köstlichen Gut zu wuchern, nicht gewachsen 
war. Die Wiederholung des Frieses und die außer Verhältnis stehenden 
Maskarons und Köpfe sind Kompositionsfehler, die ein Meister vom Range 
des Entwerfers der Einzelteile sich nicht hätte zuschulden kommen lassen. 
Der ausführende Meister hätte auch den Kinderfries etwas sorgfältiger durch- 
ziselieren sollen, aber eigentlich kann man ihm nur dankbar sein, daß er es 
nicht getan und dadurch dem Modell etwas mehr Frische bewahrt hat. 
Die Kanne, wie sie uns als Gesamtkomposition entgegentritt, ist in der 
Renaissancezeit sehr beliebt gewesen. Vielleicht das früheste unter den er- 
haltenen Stücken befindet sich bei 
M0 rgan, wohin es mit einem schon 
recht ansehnlichen Stammbaum: 
Sax, Heckscher, Löwengard und 
Gutmann,gelangt ist. Diesem Exem- 
plar am nächsten steht das unsrige, 
welches etwa ein Jahrzehnt jünger 
ist und wohl 1540 angesetzt w- iiäfäf.ä;.'il""'äl'äii. T3353;iTTJZKiiLZSCZZKiZS 
den kann. Derselben Zeit und 
dem gleichen Kunstvermögen gehören noch zwei Stücke an, eines im 
Clare College, Cambridge, das andere bei Baron Alfred von Rothschild 
in London. In weiterem Kreise gruppieren sich um unser Stück noch sechs 
andere: bei Lionel von Rothschild-London, Kreml-Moskau, Deutschordens- 
schatz-Wien,AuktionMilani1883, Schlesisches Museum-Breslau und endlich, 
last and really least, das rohe Exemplar im Czartoryski-Museum zu Krakau. 
 
Figur 58. Natürliche Größe. Fries tanzender Kinder in Buchs 
geschnitzt. Peter Flötner zugeschrieben (Gennanisehes Museum) 

	        

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