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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 6 und 7)

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STUDIEN ÜBER GOLDSCHMIEDEKUNST IN 
DER SAMMLUNG FIGDOR-WIEN 50' VON MARC 
ROSENBERG-KARLSRUHE 51b 
ZELLEINLAGE UND ZELLENSCHMELZ 
IE beiden Worte der Überschrift „Zelleinlage" (abge- 
kürzt für Zelleneinlage) und „Ze1lenschmelz" ver- 
mitteln durch ihre Gegenüberstellung ein deut- 
liches Verständnis der bei den folgenden zwei 
Stücken in Betracht kommenden Techniken. Dort 
sind Edelsteine oder Glas, hier Schmelz (Ern ail) in 
Zellen untergebracht. Der Gegensatz ist klar. So- 
gleich aber verwickelt sich die Sache, wenn man 
bedenkt, daß Glas und Email chemisch ganz das- 
selbe ist. Der Knoten löst sich indessen sofort 
wieder, wenn man erwägt, daß Zelle inlage mit 
Edelsteinen oder Glasstückchen arbeitet, die in Zellen eingelassen werden, 
Zellen sch m elz dagegen mit denselben Glasstückchen, die aber vorher fein 
gestoßen und als Pulver in die Zellen eingefüllt werden. In diesen Zellen wird 
das Pulver abermals geschmolzen, nimmt nach dem Erkalten wieder den Glas- 
charakter an, den es für das Auge verloren hatte, und haftet ohneweiters in 
den Zellen. Sind Edelsteine oder Glas inidie Zellen e i n g e 1 e g t, entsteht Zell- 
einlage, wird Glas in die Zellen e i n g e s c h m o lz e n, entsteht Zellenschmelz. 
Eine Rundiibel der ersteren Technik bewahrt die Sammlung in dem in 
den Figuren I, 2 und 3 wiedergegebenen Stück. 
 
 
Figur z. Nat. Gr. 
  
Figur i. Dreifache Gr. Vorderseite Figur 3. Dreifache Gr. Rückseite 
Rundfibel von Gold mit Zelleinlagen von Chalcedon und Lazulith, Völkerwznderungszeit (Sammlung Figdor) 
Die Scheibe ist in Gold von 9117,00, Feingehalt, nach damaligen Vor- 
Stellungen also in Feingold gearbeitet. In den Zellen liegen Halbedelsteine 
von zwei verschiedenen Farben. Auf der Rückseite ist eine primitive Nadel 
in Form einer Zunge angebracht, wodurch das Stück zu einer Fibel her- 
gerichtet ist. Da die Nadel eine größere Festigkeit erfordert als die Zierscheibe, 
ist sie aus etwas stärker legiertem Gold, gßoßom, fein, hergestellt. 
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