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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 6 und 7)

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Wir sind also in der seltenenLage, ein Schmuckstück desXVJahrhunderts 
zu besitzen, das fast genau in einem gleichzeitigen Inventar beschrieben ist. 
Eine Spanne von weit über m0 jahren trennt dieses zweite Stück von 
dem dritten, das auf der Farbentafel II und in unseren Figuren 76 und 77 
dargestellt ist. 
Auch dieses können wir, wie die zwei eben erwähnten Stücke, durch 
künstlerische Verwandtschaft und urkundlichen Beleg in den Kreis unserer 
Erfahrung einbeziehen. 
Wir erkennen in der Figur den vielleicht auf Michelangelo zurückgehen- 
den Typus mit dem langen Gesicht, dem die deutschen Meister seit der 
zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts die gewölbte Stirn und die hoch auf- 
genommenen Haare hinzugefügt haben. Denselben Typus finden wir auf dem 
Schmuckstück Figur 78 des Grünen Gewölbes. In beiden Fällen hält die Figur 
 
Figur 76. Nat. Gr. Vorderseite (Sammlung Figdor) Figur 77.Nat. Gr. Rückseite Figur78 (Grünes Gewölbe, Dresden) 
ein edelsteinbesetztes Kreuz, welches sie mit der abermals in beiden Fällen 
etwas groß ausgefallenen Hand umfaßt. Beide Figuren halten einen Kelch. 
Die Gestalt ist einmal männlich, das andere Mal weiblich, aber diese Differenz 
bringt die Stücke nur zusammen, denn hier ist die Fides, dort der Glaube 
dargestellt, also in beiden Fällen eine Allegorie, die die Franzosen sainte 
Foi nennen würden. 
In einem Inventar von 160g wird „ein Kleinot, Ist der Glaub, mit 
Demanten, Rubinen und Smaragden und hangenden Perlen" erwähnt. Also 
gehört unser Stück in den Formkreis von 1600, wie das vorhergehende mit 
Hilfe der literarischen Erwähnung im Formenkreis von 1450 seinen Platz 
fand. Der Figdorsche Anhänger ist zwar weder der im Inventar genannte, 
noch von derselben Hand wie der im Grünen Gewölbe, aber die drei Stücke 
vereinigen sich zu einer zeitgleichen Gruppe, wie es bei den drei Stücken 
der älteren Gruppe der Fall war.
	        

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