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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 6 und 7)

GEORGSGABEL. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das beginnende XVII. Jahrhundert liebte es, 
sich mit einer Fülle von sorgfältig gearbeitetem 
Kleingerät zu umgeben. Man lese nur die Tage- 
bücher von Hainhofer und prüfe den Inhalt des 
pommerschen und des schwedischen Kunst- 
schreines, um einen BegriFf davon zu bekommen. 
Was die Kunstschreine im großen mit ihrem 
mannigfachen Inhalt sind, das ist im kleinen das 
Zahnstocherbesteck mit Jagdpfeife oder die 
Georgsgabel mit Löffel, Gabel, Zahnstocher, 
Ohrlöffel, Pfeife und Feder. Wir kennen das 
Modell in fünf Repliken. Sie sind alle sehr fein 
durchgebildet und gehören zu den reizvollsten 
Kleinarbeiten, die die deutsche x Renaissance 
hervorgebracht hat. Im Detail variieren sie zwar, 
aber allen gemeinsamist die mit einer aufgelöteten 
Verzierung versehene Löffelkelle, die auf die zwei- 
zinkige Gabel aufgesetzt wird, die St. Georgs- 
gruppe am Stiel, und endlich auf dem Knauf die 
kniende weibliche Figur. Die Befreiung der 
Königstochter durch den mutigen Reitersmann 
ist ein Sagenmotiv, das zwar einer späteren Kultur 
angehört, aber in der Zeit, da diese kleinen Werke 
entstanden, war die Sage doch nicht mehr 
lebendig, es ist daher gleichgültig, ob wir die 
Szene nach Silena (?) in Lydien verlegen, oder ob 
wir die Jungfrau Aja oder Clodolinde, Königs- 
tochter an der libyschen Wüste, nennen. Sowohl 
Meister als Besteller haben sicherlich keinen 
' dieser Namen mehr gekannt. Wer der Er- 
linder dieser Komposition gewesenist, bleibt 
noch unbekannt. Zwei Stücke, das eine da- 
von in der Münchener Schatzkammer, und 
das andere in der ehemaligen Sammlung 
Thewalt, sind Arbeiten des ungemein ge- 
schmackvollen Nürnberger Meisters Fried- 
rich Hillebrand, 1580 bis 1608. Die drei wei- 
teren Stücke, in der Stuttgarter Sammlung, 
im Fugger-Museum in Augsburg, und hierbei 
Figdor, haben keine Marken, und es bedarf 
noch der Feststellung, wie sie sich zu den 
Figur a5. um. Gr. Georgsgabel (SammLFigdor) beiden Hillebrandschen Arbeiten verhalten_
	        

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