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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

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nur an so manche Kirchen-Wie- 
derinstandsetzung ! 
Alle alten Teile der Stadt spre- 
chen von früher großem und all- 
gemeinem Wohlstande, von Lust 
an baulich guter Erscheinung, von 
beruflicher Befähigung und sach- 
licher Tüchtigkeit der handwerk- 
liehen Kräfte, Eigenschaften, die 
dem modernen Bauhandwerker 
trotz allen Schuldrills mehr und 
mehr abhanden kommen.Bekannt 
ist unter anderem der heute im 
Kunstgewerbemuseum zu Berlin 
befindliche Lüneburger Silber- 
schatz, eine Sammlung von Poka- 
len, Gußgefäßen, Kannen und so 
weiter, deren Zahl und Qualität 
nicht bloß von bürgerlicher Be- 
häbigkeit und Prachtliebe, son- 
dern auch von der Wertschätzung 
derartiger Arbeiten und vom 
Können der Metantechniker Spre- Abb. 17. Lüneburg, Treppe in einem Bürger-hause an der 
chen. " Sie schmücken freilich im Gmpengießenmße 3 
reichbemalten Festsaale des Rathauses keine üppig gedeckten Tafeln mehr! 
In ein paar Vitrinen, die man, eingedenk des einstigen Besitzes, vielleicht 
besser in weniger auffälliger Weise aufgestellt hätte, finden sich galvanopla- 
stische Nachbildungen! Noch sprechen die Malereien der Wände (Abb. 67) 
und der derben Balkendecken (Abb. 63, 64, 65), die köstlichen hirschgeweih- 
geschmückten I-Iängeleuchter (Abb. 65, 66), die reichen Holzschnitzereien 
der Ratsstuben (Abb. 68 bis 74) von den Zeiten, da man von mechanisch 
 
1" Um in die Zunft der Goldschmiede aufgenommen zu werden, mußte laut einschlägiger Artikel der 
Zunftrollen vom Jahre 1400 der Aspirant drei Meisterstilcke liefern: r. einen durchbrochenen goldenen Finger- 
ring mit Drachenköpfen, a. ein paar eingelegte ("amlegene") Dolchringe „mit Schwibbogen und Tierchen" darin, 
3. eine eingelegte Verlobungsspange mit eingegrabener Schrift. Die Maler hatten im gleichen Falle (Verord- 
nung von 1595) zu liefern: r. eine hölzerne Schüssel aus geputztern Golde (Faßmalerarbeit), z. eine in Ölfarbe 
auf eine Tafel gemalte „histori", fünf Quartir hoch, eine Elle breit, 3. eine Landschaft in Wasserfarben, andert- 
halb Ellen breit, eine Elle hoch. Vom werdenden Maurer wurde verlangt, daß er x. mit dem nötigen Hilfs- 
personal einen neuen Giebel ausülhre, z. ein Kellergewölbe ziehe, 3. eine Kammer aufmauere oder etliche 
Gewölbe schließe. Der künftige Tischler (Snitker) hatte im Hause des Ältermannes aus eigenem Holze herzu- 
stellen: r. ein viertllriges Schap mit doppelten Fugen, in der Mitte eine auf beiden Seiten gefaßte Klappe für 
Schenkgeschirr („Schenkeschywe"), z. ein durchgezogenes Gesims („dorgetagen wyntberch") mit Distellaub 
beschnitzt und 3. eine mit Fllßen versehene Truhe und so weiter. Aus dem Gesagten geht hervor, daß sich die 
Zlinfte, welche, abweichend von ihrer Stellung in andern deutschen Städten, mit Ausnahme der Bräuer und Kagel- 
brllder (Kaufleute) kein Teil hatten am Stadtregirnent, vor untüchtigen Standesgenussen sicherzustellen ver- 
standen. Daher die große Menge vorzüglicher Arbeiten, von denen ausgezeichnete Stücke erhalten blieben. 
Die Zünfte, obschon seit dem XIII. Jahrhundert bestehend, kamen erst im XVII. jahrhundert mit dem Sturze 
des aristokratischen Regiments und dem Verluste der Selbständigkeit Lüneburgs zur Teilnahme an der Stadt- 
Verwaltung. jedem militärischen Aufgebot dagegen hatten sie von jeher Folge zu leisten.
	        

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